Brüssel (dpa) - EZB-Chef Mario Draghi hat die Bedeutung von Länderbewertungen durch die großen Ratingagenturen heruntergespielt: «Das ist nicht mehr wie vor 15 Jahren. Das sollte keine schreckliche Sache sein».

Das sagte der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) am Montag in Brüssel im Europaparlament auf eine Frage zu einer möglichen Herabstufung Frankreichs.

Draghi bestätigte, dass die EZB an Szenarien arbeitet, wie sich Länder-Herabstufungen auf den Krisenfonds für klamme Eurostaaten EFSF auswirken könnten. Die Einsernote für Anleihen des EFSF dürfte nach Ansicht von Experten wackeln, falls Frankreich als zweitgrößte Volkswirtschaft der Eurozone seine Bestnote («AAA») verlieren sollte. Derzeit haben sechs Euroländer, darunter Deutschland, die Einserbewertung und können sich damit vergleichsweise einfach an den Finanzmärkten Geld borgen.

Draghi hob die Entscheidung des EU-Gipfels hervor, die Einrichtung des ständigen Krisenfonds ESM um ein Jahr auf den Juli kommenden Jahres vorzuziehen. In diesen Krisenfonds werden die Eurostaaten 80 Milliarden Euro bar einzahlen; deshalb wird er unabhängiger von Länderratings sein als der EFSF, der keine Bareinzahlungen bekam.