Essen (dpa) - Drei Mal vor Gericht und noch nichts verloren. Der frühere Vorstandsvorsitzende des Pleite-Konzerns Arcandor, Thomas Middelhoff, muss um Schadenersatz-Zahlungen in Millionenhöhe fürchten. Rund 200 Millionen Euro stehen offiziell auf dem Spiel.

Die Summe will der Insolvenzverwalter in Schadenersatzprozessen von ihm und anderen Ex-Vorständen und früheren Aufsichtsräten erstreiten. Doch zwischen Klägern und Beklagten stehen bekanntlich noch die Richter. Nach Meinung der Zivilkammern sind unter anderem einige Forderungen zu hoch angesetzt.

Es geht aber immerhin noch um eine Summe im zweistelligen Millionenbereich. Und da sind die Richter konkret geworden. Zum Auftakt des dritten Schadenersatzprozesses drückte die Kammer den überraschten Streitparteien einen schriftlich formulierten Vergleichsvorschlag in die Hände. Da geht es dem Vernehmen nach für Middelhoff noch um drei statt der geforderten 16 Millionen Euro. Mit weiteren mindestens rund drei statt der ursprünglich eingeklagten acht Millionen Euro sollen die anderen Beklagten im Boot sein.

Wie schon im ersten Prozess um 175 Millionen Euro wegen umstrittener Immobilienverkäufe hat auch diesmal die Kammer die Ursprungssumme zurechtgestutzt. Zu den 175 Millionen im ersten Prozess gab es zwar keinen Vergleichsvorschlag. Das Gericht ließ aber kaum einen Zweifel daran, dass von der geforderten Summe nur ein Teilbetrag von 58 Millionen Euro noch im Raum stünde. Und diese Summe sei vom Insolvenzverwalter auch noch nicht schlüssig berechnet worden.

Im Mittelpunkt des neuen Prozesses steht ein Sonderbonus in Höhe von 2,2 Millionen Euro, den Middelhoff zum Ende der Laufbahn kassiert hat. Solche Zahlungen als Endbelohnung ohne sachliche Begründung seien aber nicht angebracht, meinen die Richter und beziehen sich auf den Bundesgerichtshof.

Middelhoff-Anwalt Winfried Holtermüller will alle Vorwürfe widerlegen. Man habe Middelhoff als Berater weiter im Unternehmen halten wollen. Deshalb ziehe das Argument Laufbahnende nicht. Auch andere Forderungen weist Holtermüller zurück. Ein vom Richter als «Festschrift» bezeichnetes Buch für Ex-Bertelsmann-Chef Mark Wössner habe Middelhoff zu einem Fünftel selber bezahlt. Zudem sei das Buch wegen der langjährigen Geschäftsbeziehungen zu Bertelsmann geschrieben worden. Eine große Weinflasche beim Besuch des Vorstandes der Arcandor-Tochter Thomas Cook am Middelhoff-Sitz in St. Tropez will die Kammer am liebsten gleich wegen des geringen Klagewertes von 1200 Euro fallen lassen.

Die Anwälte des Insolvenzverwalters zeigten sich spontan einem Vergleich gegenüber aufgeschlossen. Die Gegenseite überhaupt nicht. Sie hat jetzt bis Ende Februar Zeit, nachzulegen. In dieser Zeit könnte es auch im Prozess um die 175 Millionen Euro weitergehen.

PM Landgericht Essen zum Prozess