Dortmund (dpa) - Die Geste verriet mehr als tausend Worte. Während seine Dortmunder Mannschaftskollegen sich im Anschluss an das 4:1 beim SC Freiburg vor dem mit BVB-Fans gefüllten Tribünenblock feiern ließen, war Lucas Barrios schon auf dem Weg in die Kabine.

Voller Frust über sein wochenlanges Reservistendasein mied der erst fünf Minuten zuvor eingewechselte Torjäger das Bad in der Menge. Nicht auszuschließen, dass er in dieser Szene bereits innerlich von der Borussia Abschied nahm. «Ich weiß noch nicht, was ich mache», kommentierte er die vielen Wechselspekulationen via «Bild».

Zwischen dem deutschen Meister und Barrios stehen die Zeichen auf Trennung. Nach unerfreulichen Wochen auf der Ersatzbank ist die Geduld des Südamerikaners aufgebraucht. Er will die Winterpause dazu nutzen, sich Gedanken über einen Vereinswechsel zu machen. Anders als bei den begehrten Jungstars Mario Götze und Mats Hummels scheint BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke nicht gänzlich abgeneigt, einem Transfer zuzustimmen: «Wenn ein Spieler weg will, gebietet es der faire Umgang, über dieses Thema zu sprechen.»

Die Bereitschaft der Vereinsführung, den Torgaranten vergangener Jahre abzugeben, korreliert mit der Höhe der Ablöse. Dem Vernehmen nach wäre der Revierclub bei einer Summe ab zwölf Millionen Euro bereit, den vor zwei Jahren für 4,2 Millionen Euro vom chilenischen Erstligisten Colo Colo verpflichteten Angreifer ziehen zu lassen.

Damit wäre eine finanzielle Basis geschaffen, um beispielsweise im Vertragspoker um Marco Reus mithalten zu können. Gerüchte über ein Interesse der Dortmunder an einer Verpflichtung des auch vom FC Bayern München umworbenen Nationalspielers aus Mönchengladbach halten sich hartnäckig.

Noch gibt es im Fall Barrios jedoch keinen Handlungsbedarf. Angebliche Transferbestrebungen des FC Sevilla, FC Chelsea oder von Manchester City wollte Watzke nicht bestätigen: «Bei uns liegt kein Angebot auf dem Tisch.»

Die Hoffnungen des Angreifers, den nach einer langwierigen Muskelverletzung verlorenen Stammplatz zurückzugewinnen, sind gering. Immerhin zwölf Tore erzielte sein Konkurrent Robert Lewandowski in der Bundesliga-Hinrunde und ist deshalb bei Jürgen Klopp gesetzt. Woche für Woche wird es für den BVB-Trainer schwieriger, den vertraglich bis 2013 gebundenen Barrios bei Laune zu halten. Und doch favorisiert der BVB einen Verbleib des Edelreservisten. «Wir haben ihm gesagt, dass uns das am liebsten wäre», sagte Watzke. Gut möglich, dass der Geschäftsführer dies schon bald anders sieht.