Kiel (dpa) - Der letzte Kleine plant den nächsten Pokal-Coup: Holstein Kiel empfängt den Bundesligisten FSV Mainz 05. Zwei Zweitligisten hat der Viertligist schon aus dem Weg geräumt. Und auch eine Sensation hat es im Holstein-Stadion schon einmal gegeben.

Seit Jahrzehnten steht Holstein Kiel im langen Schatten des großen THW Kiel. Nun will der Fußball-Viertligist den Handball-Rekordmeister und zweimaligen Champions-League-Sieger zumindest einmal überflügeln: 11 500 Fans haben sich am Mittwoch zur Achtelfinal-Partie im DFB-Pokal gegen Bundesligist Mainz 05 angesagt. In den meist ausverkauften Handball-Tempel des THW passen dagegen nur 10 250 Besucher.

«Das wäre ein Riesending, wenn wir mal mehr Zuschauer als der THW hätten», sagte der kaufmännische Geschäftsführer und frühere THW-Handballer Wolfgang Schwenke und reibt sich die Hände. In der vergangenen Regionalliga-Saison hatten sich im Schnitt gerade einmal 2450 Zuschauer ins Holstein-Stadion verirrt.

Seit Wochen gibt es unter den Holstein-Anhängern nur ein Thema: das Pokalspiel. Für die Partie gegen Mainz wurde eine Zusatztribüne mit 850 Stehplätzen errichtet. «Wir hätten locker mehr Karten verkaufen können», meinte Schwenke. «Die Schlangen waren 100 Meter lang; ratzfatz waren die Tickets weg.» Ein Loch wird sich dennoch im Stadionkarree auftun: Den Fans aus Mainz mussten aus Sicherheitsgründen 2200 Plätze in einem geschlossenen Gästeblock zugewiesen werden. Doch höchstens 1000 Gäste werden anreisen.

Nach zwei Husarenritten gegen die Zweitligisten Energie Cottbus (3:0) und MSV Duisburg (2:0) plant der einzige im Pokalrennen verbliebene Amateurverein einen erneuten Coup. «Wir sind krasser Außenseiter, wollen aber das Unmögliche schaffen», meinte Schwenke. Sein Optimismus stützt sich auf den Verlauf dieser Saison. Die Kieler Sportvereinigung Holstein, wie der deutsche Meister von 1912 richtig heißt, ist nur einen Punkt hinter RB Leipzig Tabellenzweiter in der Regionalliga Nord und hat den Aufstieg in die 3. Liga im Visier.

Rund eine Million Euro haben die Kieler für die ersten beiden Runden eingenommen. Der Einzug ins Viertelfinale würde ihnen eine weitere Million garantieren. Damit hätten die Norddeutschen ihren Etat nahezu verdoppelt, denn der beträgt 2,3 Millionen Euro. Die Mainzer indes schöpfen aus einem 58-Millionen-Euro-Topf. Schwenkes Hoffnung: Manchmal schießt Geld Tore, aber nicht immer. Und im Toreschießen kennen sich die Kieler aus. Der beste Angriff der gesamten Regionalliga hat 45-mal getroffen. Mainz bringt es in der Bundesliga lediglich auf 22 Tore. «Es ist ja bekannt, dass ich gern offensiven Fußball spielen lasse», sagte Trainer Thorsten Gutzeit.

Der Bundesligist muss sich auf eine Fußballmaloche einstellen. Das Geläuf des Holstein-Stadions ohne Rasenheizung hat gelitten, obwohl es seit zwei Wochen mit einem 8000 Quadratmeter großen Zelt geschützt wird und nur für zwei Regionalliga-Partien freigeräumt wurde. Doch ausgerechnet während des Spiels gegen den Halleschen FC (0:0) am vergangenen Freitag schüttete es wie aus Eimern. «Der Rasen hat ordentlich was abgekriegt. Das wird ein Kampfspiel», sagte Schwenke.

Die erste Pokal-Sensation in Kiel wäre es bei einem Sieg nicht: So scheiterte Bundesligist Hertha BSC 2002 in der ersten Runde nach Elfmeterschießen - damals war Holstein sogar nur Tabellenletzter in der Regionalliga Nord.