Dortmund (dpa) - Rosen, Herzen und Dessous: Auf einer Bühne mit Prinzessinnen-Flair haben Die Ärzte in der Dortmunder Westfalenhalle nur für Frauen und Mädchen gerockt.

Zum ersten Teil des XX/XY-Doppelkonzerts am Montagabend ließ sich die Männerband nicht lange bitten: Pünktlich hob sich der geraffte Vorhang und Die Ärzte schwebten auf einer knallroten Couch zum Auftritt ein. Für die weiblichen Fans hatten sich Schlagzeuger Bela B. und Gitarrist Rod in weiße und schwarze Abendgarderobe geworfen, während es bei Sänger Farin Urlaub nur für Stoffhose und T-Shirt reichte.

Die selbsternannte «beste Band der Welt» erlaubt es sich, das Publikum nach den geschlechtsbestimmenden X- und Y-Chromosomen für zwei Konzerte in Dortmund aufzuteilen. Am Dienstag soll die reine Männerrunde folgen - vermutlich mit einer Bühne mit Actionheld-Flair und passender Songauswahl. Denn die knapp 10 000 weiblichen Fans bekamen zahlreiche Ärzte-Titel rund um Mädchen, Frauen und Liebe zu hören, dazu einige Klassiker wie «Zu spät» und «Schrei nach Liebe».

Obwohl Die Ärzte ausdrücklich um das Werfen von «Untertrikotagen» gebeten hatten, fiel die Bilanz mit vier Büstenhaltern nach drei Liedern recht bescheiden aus. Die Dessous baumelten anschließend am Mikrofonständer von Rod, der 1993 zur Berliner Band gestoßen war.

Vom männlichen Publikum wünschten sich Die Ärzte, dass es die Boxershorts anbehält. Dafür kündigte die Band an, vor den Geschlechtsgenossen beim XY-Konzert «nackisch» aufzutreten.

Drei Stunden rockten Farin Urlaub, Bela B. und Rod über eine Bühne, die an einen Schminktisch erinnerte. «Wir erfüllen uns einen Jugendtraum - einmal in der Westfalenhalle nur vor Frauen spielen», verrieten sie inmitten überdimensionaler Rosen- und Herzdekoration.

Mit der Trennung nach Geschlecht nehmen es Die Ärzte genau: Entscheidend sei der Status im Sinne des gesetzlichen Melderegisters. Auch bei den Sicherheitskräften wurde keine Ausnahme gemacht, es arbeiteten nur Frauen. Und die unverzichtbare, männliche Bühnencrew musste sich mit Langhaar-Perücken, kurzen Röcken und falschen Brüsten anpassen.

Vor allem bei «Wie es geht» und «Lied vom Scheitern» brachte die Punkrock-Band den Innenraum zum Toben und die Tribünen zum Beben. Sein Schlagzeug bearbeitete Bela B. während des gesamten Konzerts im Stehen. Auch als Die Ärzte für Zugaben drei Mal auf die Bühne zurückkehrten und den Hit «Junge» anstimmten, der konsequent auf «Mädchen» umgetextet war. Ins Stolpern geriet die Band nur bei den Ansagen ans weibliche Publikum, die entweder schon nach «Ladies» - mangels Gentlemen - endeten oder als «Hallo Freundinnen» gewöhnungsbedürftig klangen.