Dallas/Bonn (dpa) - Die Deutsche Telekom bleibt auf ihrer ungeliebten Mobilfunktochter T-Mobile USA sitzen. Nach massivem Widerstand der Wettbewerbshüter gab der US-Branchenriese AT&T die 39 Milliarden Dollar (30 Mrd Euro) schwere Übernahme auf.

Zwar darf sich die Telekom nun über ein attraktives Trostpflaster freuen. Doch es bleibt die Frage: Wie geht es in den USA weiter? T-Mobile USA ist der viertgrößte Mobilfunkanbieter des Landes. Die Telekom wollte sich wegen schrumpfender Kundenzahlen und anstehender Milliardeninvestitionen ins Netz aber weitgehend aus dem US-Markt zurückziehen. Nun gelte es, aus der neuen Situation das Beste zu machen, sagte Telekom-Chef René Obermann am Dienstag.

Immerhin bekommt die Telekom von AT&T als Ausgleich für den geplatzten Deal 3 Milliarden Dollar in bar. Vielleicht noch wichtiger ist aber die Überlassung von Funkfrequenzen und das Recht, das Netz von AT&T über mehrere Jahre mitnutzen zu dürfen. AT&T hat eine wesentlich höhere Verbreitung in den USA. Die Vereinbarung stärke die Wettbewerbsfähigkeit von T-Mobile USA, sagte Obermann.

Der Konzernchef räumte aber ein, dass die grundlegenden Probleme damit nicht gelöst seien. Die Telekom steht vor dem Problem, dass durch die weite Verbreitung von Smartphones das Datenaufkommen stetig steigt. Das erfordert hohe Investitionen in den Netzausbau. Besonders den Umstieg auf die superschnelle Übertragungstechnik LTE hatte die Telekom in den USA bislang gescheut. Diese Grundfragen blieben bestehen, sagte Obermann.

Auf Spekulationen über einen möglichen Verkauf an andere Wettbewerber wollte Obermann am Dienstag nicht eingehen. Ein ähnlich potenter Käufer wie AT&T ist weit und breit nicht in Sicht, und selbst eine Kooperation mit dem drittgrößten Mobilfunkanbieter Sprint dürfte auf das Missfallen der Wettbewerbshüter stoßen, die gerne den Status quo beibehalten würden.

Die US-Wettbewerbshüter feierten das Scheitern der Übernahme als Sieg für die amerikanischen Mobilfunk-Nutzer. «Hätte AT&T tatsächlich T-Mobile übernommen, hätten den Kunden höhere Preise und verschleppte Innovationen gedroht», sagte die oberste Kartellwächterin Sharis Pozen. Obermann kritisierte die Haltung: Bis zum Schluss sei keine Bereitschaft zu erkennen gewesen, sich im Detail mit den erheblichen Zugeständnissen zu befassen.

AT&T wäre mit dem Zukauf von T-Mobile USA zum mit Abstand größten Mobilfunkanbieter der Vereinigten Staaten aufgestiegen. Es wären daneben aber nur noch zwei weitere nennenswerte Konkurrenten übrig geblieben, nämlich Verizon Wireless und Sprint. T-Mobile USA gehört zu den günstigen Anbietern. Deshalb hatte das zuständige Justizministerium gegen den Verkauf geklagt, und auch der Netzregulierer FCC hatte sich gesperrt.

Die Deutsche Telekom und AT&T hatten die Übernahme im März eingefädelt und wollten sie eigentlich binnen eines Jahres unter Dach und Fach bringen. Für beide ging es um viel: AT&T hätte mit einem Schlag sein Netz deutlich ausgebaut, das unter der steigenden Zahl an datenhungrigen Smartphones ächzt. Die Telekom wiederum hätte sich eines Problemfalls entledigt und mit den Milliarden aus dem Verkauf ihre Schulden abgebaut.

T-Mobile USA hatte bis zuletzt Vertragskunden verloren, auch weil der Anbieter als einziger der vier Großen Apples iPhone nicht im Angebot hat. Die Tochter sei jedoch bis zuletzt profitabel gewesen, versicherte Obermann. Es gehe nun erst einmal so weiter wie bisher, schrieb T-Mobile-USA-Chef Philipp Humm seinen Mitarbeitern und verwies auf erste Erfolge am Markt mit günstigen Smartphone-Tarifen. «Wir haben die Möglichkeit, unsere eigene Zukunft zu schreiben.»

Durch die Auflösung des Kaufvertrages wird T-Mobile USA künftig wieder als fortzuführendes Geschäft der Deutschen Telekom bilanziert. An den geschäftlichen Erwartungen des Konzerns für 2011 ändere sich nichts, auch die Ausschüttungspolitik bleibe bestehen, sagte Obermann.

Telekom-Mitteilung

AT&T-Mitteilung

Humm-Brief an Mitarbeiter im WSJ