Seoul (dpa) - In Nordkorea trauern nach dem Tod von Militärmachthaber Kim Jong Il weiter Millionen Menschen. In Gedenken an den Verstorbenen wurden landesweit Porträts und Traueraltäre aufgestellt. Südkoreas Regierung will private Beileidsbekundungen an das Nachbarland zulassen.

Das Staatsfernsehen zeigten am Mittwoch, wie Massen von schluchzenden Menschen in Pjöngjang zu Plätzen mit riesigen Porträts Kims strömten. Allein in der Hauptstadt hätten fünf Millionen Menschen Statuen und Porträts von Kim aufgesucht, berichtete die nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA. Die Plätze hätten sich in ein «wahrhaftiges Meer von Trauernden verwandelt, die bitterlich weinten und auf die Porträts eines lächelnden Kim Jong Il aufblickten», hieß es.

Trotz einer Kontaktsperre will Südkoreas Regierung private Beileidsbekundungen an das Nordkorea zulassen. Einzelne Bürger oder Organisationen dürften grundsätzlich per Fax oder Email Beileidsschreiben zum Tod Kim Jong Ils ans Nachbarland schicken, teilte das Vereinigungsministerium in Seoul am Mittwoch mit.

Allerdings müssen sich die Gruppen oder Personen vorher eine Genehmigung dafür erteilen lassen. Nach südkoreanischem Gesetz müssen alle Kontakte mit dem kommunistischen Nachbarstaat genehmigt werden. Seit ihrem Bruderkrieg von 1950 bis 1953 befinden sich beide völkerrechtlich weiter im Kriegszustand, da immer noch kein Friedensvertrag geschlossen wurde.

Die Regierung in Seoul hatte am Dienstag selbst seine Anteilnahme für die Bevölkerung des Nachbarlandes ausgesprochen. Zugleich machte sie aber klar, keine eigene Beileidsdelegation nach Nordkorea zu entsenden.

Der Diktator war nach Angaben der nordkoreanischen Medien am Samstag im Alter von 69 Jahren während einer Bahnfahrt an den Folgen eines Herzinfarktes gestorben. Die Nachricht über seinen Tod war aber erst am Montag verbreitet worden. Nordkoreas Propagandaapparat hatte seitdem den Personenkult um Kims jüngsten Sohn Kim Jong Un vorangetrieben. Dieser war von seinem Vater auf die Nachfolge vorbereitet worden.

Kim Jong Il hatte die Macht 1994 von seinem verstorbenen Vater und «ewigen Präsidenten» Kim Il Sung übernommen. Er regierte das Land 17 Jahre lang mit eiserner Faust. Unter seiner Herrschaft starben nach Schätzungen Hunderttausende von Menschen vor Hunger.