Kairo/Beirut (dpa) - Die Mission der arabischen Beobachter in Syrien sorgt bei der Opposition zunehmend für Unmut. In mehreren Städten protestierten nach dem Freitagsgebet zehntausende Menschen gegen die Delegation der Arabischen Liga, weil sie das Blutvergießen bislang nicht stoppen konnte.

Dabei kam es zu Ausschreitungen. Mindestens neun Menschen wurden nach Angaben von Aktivisten in den Oppositionshochburgen Homs und Daraa getötet. Seit Sonntag seien landesweit mindestens 98 Menschen ums Leben gekommen.

Allein in der umkämpften Provinz Idlib gingen nach Auskunft der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London mehr als 250 000 Menschen auf die Straße. Auch außerhalb der Hauptstadt Damaskus in Duma gab es heftige Zusammenstöße mit mindestens zehn Verletzten.

Die Gegner des Regimes von Baschar al-Assad halten die Zustimmung der syrischen Führung zu der Mission für ein Ablenkungsmanöver. Dem Regime gehe es allein darum zu verhindern, dass sich der UN-Sicherheitsrat mit der Krise befasse. Die Opposition fordert schon seit geraumer Zeit sogenannte Schutzzonen an der Grenze zur Türkei.

Die Teams der Arabischen Liga setzten derweil ihre Besuche in den Krisenherden des Landes fort. Mehr als 100 Konfliktregionen wollen sie bis Ende Januar inspiziert haben. Am Freitag sprachen sie in der Stadt Harasta bei Damaskus mit Bewohnern, wie aus dem Umfeld der Beobachter verlautete. Zu Beginn der Mission hatten arabische Beobachter am Dienstag die Provinz Homs besucht.

Ein Aktivist äußerte im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa scharfe Kritik an dem Delegationsleiter, dem Sudanesen Mustafa al-Dabi. Er sei Vertreter eines Regimes, das für die Unterdrückung der Opposition bekannt sei, betonte Omar Idlibi. Der sudanesische General gilt als Vertrauter von Sudans Präsidenten Omar al-Baschir, gegen den wegen der Kriegsverbrechen in Darfur ein internationaler Haftbefehl vorliegt.

Al-Dabi hatte für Ärger gesorgt, als er nach seinem Aufenthalt in Homs mit den Worten zitiert wurde, er habe nichts Beunruhigendes gesehen. Er hatte später um Zeit für die Beobachter gebeten. Nach UN-Schätzungen sind seit Beginn des Aufstandes gegen Assad im März mehr als 5000 Menschen getötet worden.