Berlin (dpa) - Der Anwalt von Bundespräsident Christian Wulff hat eine öffentliche Dokumentation der Fragen und Antworten zu den Vorwürfen gegen das Staatsoberhaupt abgelehnt.

Rechtsanwalt Gernot Lehr berief sich auf Anfrage des Berliner «Tagesspiegels» auf die «anwaltschaftliche Verschwiegenheitspflicht», die einen solchen Schritt nicht zulasse.

Wulff hatte in der vergangenen Woche im Interview von ARD und ZDF angekündigt, er wolle in der Affäre für vollständige Transparenz sorgen. «Morgen früh werden meine Anwälte alles ins Internet einstellen. Dann kann jede Bürgerin, jeder Bürger jedes Details zu diesen Abläufen sehen und bewertet sehen, auch rechtlich», sagte er. «Ich geb' Ihnen gern die 400 Fragen, die 400 Antworten.»

Tatsächlich hatten seine Anwälte am folgenden Tag aber nur eine sechsseitige Zusammenfassung vorgelegt. Lehr rechtfertige dies im «Tagesspiegel»: «Der im Mandantenauftrag geführte Schriftverkehr zwischen Anwälten und Dritten fällt unter die anwaltliche Verschwiegenheitspflicht. Aus diesem Grund sowie aus Gründen der praktischen Handhabbarkeit für alle Beteiligten ist eine zusammenfassende Stellungnahme erfolgt», erklärte der Rechtsanwalt.

Dabei ging es im wesentlichen um die Kreditfinanzierung von Wulffs Eigenheim im niedersächsischen Burgwedel und um Urlaubsaufenthalte bei teils prominenten Freunden. Der umstrittene Anruf bei «Bild»- Chefredakteur Kai Diekmann, mit dem Wulff die Veröffentlichung des ersten Berichts über den Hauskauf verzögern oder verhindern wollte, wird in dem Papier nicht erwähnt.

Unterdessen setzte der Bundespräsident seine Alltagsarbeit fort. Am Dienstag traf er sich nach Angaben des Präsidialamtes zunächst zu einem länger geplanten Meinungsaustausch mit CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe.

Gegen Mittag ist der traditionelle Neujahrsempfang des Bundespräsidenten für das Diplomatische Corps in Wulffs Amtssitz, dem Berliner Schloss Bellevue.

Am Nachmittag erwartet Wulff Kanzleramtschef Ronald Pofalla (CDU) zu einem ebenfalls schon vor längerer Zeit anvisierten Gespräch.

Allgemeine Informationen zum Bundespräsidenten

Terminkalender des Bundespräsidenten

Antwort von Bundespräsident Christian Wulff auf eine Mündliche Anfrage zu seinem umstrittenen Hauskredit im Niedersächsischen Landtag am 18. Februar 2010

Mitteilung des Bundespräsidialamts nach dem ersten Bericht der «Bild»-Zeitung am 13. Dezember 2011

Erste öffentliche Mitteilung von Wulff am 15. Dezember 2011

Erklärung der «Bild»-Zeitung zum Anruf Wulffs bei Chefredakteur Kai Diekmann

Erklärung der «Bild»-Zeitung zu den Fragen, die sie Christian Wulff vor dessen Drohanrufen geschickt hatte

Sondersendung der ARD mit der kompletten öffentlichen Entschuldigung des Bundespräsidenten vor der Presse am 22. Dezember 2011 in der Mediathek