Seoul (dpa) - Das Regime im kommunistischen Nordkorea will zum ersten Mal seit sechs Jahren wieder eine Amnestie für Häftlinge gewähren.

Anlass dafür ist nach Angaben der Staatsmedien der 100. Geburtstag des als «ewiger Präsident» verehrten früheren Staatschefs Kim Il Sung im April und der 70. Geburtstag seines kürzlich gestorbenen Sohns und Nachfolgers Kim Jong Il im Februar. Die Amnestie werde aufgrund eines Dekrets der Volksversammlung am 1. Februar in Kraft treten, berichtete die Nachrichtenagentur KCNA am Dienstag.

Die Amnestie für Verurteilte wird demnach im Namen der herrschenden Arbeiterpartei und der Regierung gewährt. Unklar blieb, welche Gruppen oder wie viele Menschen betroffen sind.

Nach Angaben des südkoreanischen Vereinigungsministeriums hatte Nordkorea zuletzt 2005 eine Amnestie gewährt. Anlass sei damals der offiziell gefeierte 60. Jahrestag der Gründung der Arbeiterpartei gewesen, sagte eine Sprecherin in Seoul.

Die Ankündigung in Nordkorea kam mehr als drei Wochen nach dem Tod Kim Jong Ils und der knapp zwei Wochen später erfolgten Ausrufung seines Sohns Kim Jong Un zum neuen Machthaber. Kim Jong Il, der ebenso wie sein Vater das Land mit eiserner Faust regiert hatte, war nach offizieller Darstellung am 17. Dezember infolge eines Herzinfarkts gestorben. Sein als Staatsgründer verehrter Vater Kim Il Sung starb 1994. Kim Jong Un soll erst Ende Zwanzig sein.

Nach Schätzungen internationaler Menschenrechtsgruppen sitzen in Nordkorea unter anderen mehr als 200 000 Menschen, darunter ganze Familien, aus politischen Gründen in Gefangenenlagern.