Frankfurt/Main (dpa) - Schwache US-Konjunkturdaten und mit Enttäuschung aufgenommene Aussagen der Europäischen Zentralbank (EZB) haben den Dax am Donnerstag einen Großteil seiner Gewinne gekostet.

Der deutsche Leitindex schloss noch 0,44 Prozent höher bei 6179,21 Punkten. Am Vormittag hatten ihn gut verlaufene Anleihe-Auktionen in Spanien und Italien erstmals seit Ende Oktober wieder über die Marke von 6200 Punkten getrieben. Der MDax der mittelgroßen Werte legte um 0,70 Prozent auf 9535,56 Punkte zu und für den Technologiewerte-Index TecDax ging es um 1,20 Prozent auf 722,11 Punkte hoch.

«Vielleicht hat der eine oder andere Marktteilnehmer neben dem Zuckerguss der solide verlaufenen Anleiheauktionen noch mit dem Sahnehäubchen einer Zinssenkung der EZB gerechnet», mutmaßte Marktanalyst Robert Halver von der Baader Bank mit Blick auf die Sitzung der europäischen Währungshüter. «Aber die Botschaft der EZB ist dennoch gleichermaßen klar wie positiv: Wird es an den Anleihemärkten der prekären Länder eng, steht die EZB bereit.»

Andere Börsenexperten verwiesen auf Gewinnmitnahmen. «Allein der Dax hat in der laufenden Handelswoche zeitweise 200 Punkte gut gemacht», erinnerte Händler Andreas Lipkow von MWB Fair Trade. «Viele Analysten sehen auf Jahressicht einen Endstand bei 6400 bis 6500 Punkten - da ist man doch lieber vorsichtig auf dem derzeitigen Kursniveau.»

Aktie des Tages war klar der Douglas-Titel, der dank Übernahmefantasien im MDax um 26,10 Prozent auf 32,010 Euro emporschoss. Die Gründerfamilie des Handelskonzerns will sich zusammen mit finanzkräftigen Investoren den vollen Zugriff auf das Unternehmen sichern. Im Dax sprangen dank der guten Anleihe-Auktionen die Bankenwerte an die Spitze, allen voran die Commerzbank-Papiere: Sie setzten ihren Lauf der beiden Vortage mit einem kräftigen Plus von 5,78 Prozent auf 1,373 Euro fort. Die Titel der Deutschen Bank rückten um 2,04 Prozent auf 28,510 Euro vor. Größter Index-Verlierer waren dagegen Metro, die nach einem enttäuschenden Weihnachtsgeschäft des britischen Konkurrenten Tesco 2,86 Prozent auf 27,545 Euro einbüßten.

Im MDax litten die Titel von Sky Deutschland mit Verlusten von 2,69 Prozent unter einer drohenden Beteiligung von Vodafone im Bieterstreit um die Bundesliga-Übertragungsrechte. Dagegen legten Wacker Chemie um 6,01 Prozent zu. Händler begründeten dies mit dem Plan der chinesischen Energiebehörde, die Solarstrom-Leistung in den kommenden Jahren massiv zu erhöhen. Ein Börsianer machte auf daraufhin anziehende Preise für Polysilizium aufmerksam, wovon der Waferproduzent profitiere. Dies sorgte auch für kräftige Aufschläge bei einigen Solarwerten.

Der EuroStoxx stieg um 0,27 Prozent auf 2345,85 Punkte. In Paris und London erlitten die nationalen Indizes hingegen moderate Verluste. Der New Yorker Dow Jones notierte zum europäischen Börsenschluss rund 0,3 Prozent höher.

Am Rentenmarkt sank die durchschnittliche Rendite der börsennotierten Bundeswertpapiere auf 1,49 Prozent (Mittwoch: 1,52 Prozent). Der Rentenindex Rex stieg um 0,25 Prozent auf 131,52 Punkte. Der Bund Future sank um 0,11 Prozent auf 139,19 Punkte. Der Euro stieg auf 1,2814 US-Dollar. Zuvor hatte die Europäische Zentralbank den Referenzkurs noch auf 1,2736 (1,2718) Dollar festgesetzt und der Dollar damit 0,7852 (0,7863) Euro gekostet.