Berlin (dpa) - Die Kritik am Umgang von Bundespräsident Christian Wulff mit seiner Kredit- und Medienaffäre reißt nicht ab. Neben der Opposition wächst auch in der Union der Unmut darüber, dass Wulff nicht wie angekündigt alle Details zugänglich macht.

«Wulff hat im Fernsehen vor 18 Millionen Bürgern zugesichert, dass die 450 Fragen beantwortet und offengelegt werden. Ich denke, darauf warten wir alle und das muss jetzt auch passieren», sagte der CDU-Fraktionschef im niedersächsischen Landtag, Björn Thümler, der «Nordwest-Zeitung». Er sieht die Affären zunehmend als Belastung für die CDU. «Da gibt es gar kein Vertun.»

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Karl-Georg Wellmann legte Wulff den Rücktritt nahe. «Das Amt ist schon jetzt beschädigt, allein durch die Tatsache der öffentlichen Diskussion», sagte Wellmann dem ZDF. «Mein persönlicher Rat an ihn wäre, dass er sich das nicht länger zumutet, sich, seiner Familie und dem Amt.» Ein Staatsoberhaupt solle den Menschen Orientierung geben. «Viele leiden darunter, dass dieses Amt und dieser Bundespräsident so in der Diskussion ist.» Eine Ende mit Schrecken sei besser als ein Schrecken ohne Ende.

Der Bundespräsident empfängt heute Kanzlerin Angela Merkel und ihr Kabinett zu einem Neujahrsempfang. Im Berliner Schloss Bellevue begrüßt Wulff auch weitere Repräsentanten des öffentlichen Lebens und etwa 80 Bürger aus allen Bundesländern, die sich um das Gemeinwohl verdient gemacht haben.

Die Anti-Korruptions-Organisation Transparency International sagte die Teilnahme ihrer Vorsitzenden Edda Müller ab. Wulff habe Transparenz und vollständige Aufklärung versprochen. Dies habe er nicht eingehalten, begründete Müller. «Wir können nicht einfach zur Tagesordnung übergehen.»

Wulff steht wegen eines Privatkredits für sein Eigenheim, wegen kostenloser Urlaube und wegen seines Umgangs mit den Medien seit einem Monat in der Kritik. Momentan konzentriert sich die Kritik darauf, dass seine Anwälte die geforderte Veröffentlichung aller Informationen zur Kredit- und Medienaffäre «aus Rechtsgründen» verweigern. Eine Offenlegung der Anfragen von Journalisten würde deren Recht am eigenen Wort und an dem Schutz ihrer Rechercheergebnisse oder -ziele verletzen, argumentieren die Anwälte.

Der SPD-Rechtsexperte Sebastian Edathy sagte der «Passauer Neuen Presse», er könne dies nicht nachvollziehen. «Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Journalisten ein Problem mit der Veröffentlichung hätten», sagte Edathy. «Das ist an den Haaren herbeigezogen.» Wulffs Verhalten sei bizarr.

Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) sagte dem «Hamburger Abendblatt»: «Wulff müsste seine Anwälte von ihrer Verschwiegenheitspflicht befreien. Den Nachfragenden ging es schließlich gerade um die Herstellung von Öffentlichkeit». Thierse erklärte: «Es wäre im Interesse des Bundespräsidenten, wenn er seiner Ankündigung von voller Transparenz auch entsprechende Taten folgen ließe und nicht die Einschränkung durch seine Anwälte hinnimmt.»

Wulff hatte vor einer Woche im Interview von ARD und ZDF angekündigt: «Morgen früh werden meine Anwälte alles ins Internet einstellen. Dann kann jede Bürgerin, jeder Bürger jedes Details zu diesen Abläufen sehen und bewertet sehen, auch rechtlich.» Wulffs Anwalt Gernot Lehr legte bislang aber nur eine sechsseitige Zusammenfassung zur Kreditfinanzierung von Wulffs Eigenheim und zu diversen Urlaubsreisen vor.

Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt forderte ein Ende der Debatte um Wulff. «Die Dinge sind gelaufen, wie sie gelaufen sind. Christian Wulff hat viel zur Aufklärung beigetragen. Eine Fortsetzung der Debatte schadet dem Ansehen unseres höchsten Staatsamtes», sagte Hundt der «Passauer Neuen Presse». Keiner der Vorwürfe wiege so schwer, dass Wulff zurücktreten müsse.

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