Damaskus/Istanbul (dpa) - Syrien gleitet immer stärker in einen Bürgerkrieg ab. Soldaten desertieren, während Präsident Assad kompromisslos an der Macht festhält. Die Gefechte werden heftiger.

Nach dem öffentlichen Auftritt von Syriens Präsident Baschar al-Assad meldeten die sogenannten Revolutionskomitees am Donnerstag massive Kämpfe zwischen Truppen der Armee und der «Freien Syrischen Armee» in der Stadt Deir as-Saur.

Über der Provinz Homs seien Aufklärungsflugzeuge der Luftwaffe gesichtet worden, hieß es. In der Provinz Daraa hätten etwa 20 Soldaten, die an einer Straßensperre postiert gewesen seien, gemeinsam Fahnenflucht begangen. In Hama soll ein Soldat zu Tode gefoltert worden sein, weil er sich geweigert hatte, auf Regimegegner zu schießen.

In seiner ersten Rede an seine Landsleute seit sieben Monaten hatte Assad am Dienstag angekündigt, nicht vor der Verantwortung davonzulaufen. Er werde mit seinen Anhängern den Sieg über die vom Ausland gesteuerten Regimegegner erringen, kündigte Assad an.

In der vergangenen Woche hatte sich erstmals ein Brigadegeneral auf die Seite der Protestbewegung gestellt. General Mustafa Ahmed al-Scheich stammt aus der Protesthochburg Idlib. Er rief alle Soldaten auf, seinem Beispiel zu folgen und erklärte, die internationale Staatengemeinschaft habe eine moralische Verpflichtung, die Zivilisten in Syrien zu schützen.

Die Protestbewegung beharrt darauf, dass der am Mittwoch in Homs getötete französische Journalist Gilles Jaquier nicht bei einem Angriff von Deserteuren ums Leben gekommen sei. Jaquier war bei einem Mörserangriff ums Leben gekommen, als er in Begleitung staatlicher Aufpasser und anderer Journalisten ein Viertel von Assad-Anhängern in Homs besucht hatte. Die staatliche Nachrichtenagentur Sana sprach von einer Attacke «bewaffneter Terroristen», bei der auch acht Syrer getötet worden seien. Der von der Opposition gegründete Syrische Nationalrat verurteilte die Attacke auf die Journalisten, durch die auch ein niederländischer Fotograf verletzt worden war, und machte das Regime dafür verantwortlich.

Laut Sana wurden 13 Angehörige der Sicherheitskräfte zu Grabe getragen, die von «Terroristen» umgebracht worden waren. Aktivisten meldeten, am Donnerstag seien ein desertierter Soldat und zwölf Zivilisten getötet worden.

Die Arabische Liga hatte am Mittwoch erklärt, sie werde vorerst keine weiteren Beobachter nach Syrien schicken. Bislang gibt es jedoch keine Hinweise darauf, dass die Liga den Einsatz ihrer Beobachter abbrechen will, der bis zum 19. Januar laufen soll. Die Beobachter haben eingeräumt, dass es ihnen bislang nicht gelungen ist, das Blutvergießen in Syrien zu beenden. Ein Gesandter der chinesischen Führung sagte dem Generalsekretär der Liga, Nabil al-Arabi, in Kairo, Peking sei für eine arabische Lösung im Syrien-Konflikt.

Syrische Aktivisten aus Europa und den USA versuchten unterdessen mit Hilfsgütern von der Türkei aus über die Grenze nach Syrien zu gelangen. Syrische Beamte hätten den aus etwa 20 Fahrzeugen bestehenden Demonstrationszug, der von den Organisatoren als «Freiheitskonvoi» bezeichnet wird, am Grenzübergang Öncüpinar zunächst gestoppt, berichtete die türkische Nachrichtenagentur Anadolu. Ein Sprecher des Außenministeriums erklärte, die Türkei sei wegen der Entwicklung in Syrien «für alle Szenarien bereit».

Sana-Meldung zu getöteten Offizieren und Soldaten

Aufruf des Generals mit engl. Untertiteln