Istanbul (dpa) - Das türkische Außenministerium hat die Verabschiedung eines umstrittenen Völkermordgesetzes in Frankreich am Dienstag scharf verurteilt. Die Entscheidung des französischen Senats sei unverantwortlich, erklärte das Ministerium.

Das Gesetz sei ein Schlag gegen die Meinungsfreiheit und die Freiheit der Wissenschaft. In der Hauptstadt Ankara wurde erwartet, dass Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan im Laufe des Tages weitere Sanktionen seines Landes gegen Frankreich erläutert.

Der Pariser Senat hatte am Montag trotz aller Drohungen der Türkei das neue Gesetz verabschiedet. Es stellt die Leugnung von Völkermorden unter Strafe - worunter nach französischem Gesetz auch die Tötung zahlloser Armenier während des Ersten Weltkriegs im Osmanischen Reich zählt. Armenien hat die Annahme des Gesetzes begrüßt. Die Türkei als Nachfolger des Osmanischen Reiches streitet den Völkermordcharakter ab und hat für den Fall einer Annahme des Gesetzes mit schweren Konsequenzen gedroht.

Der von der konservativen UMP-Abgeordneten Valérie Boyer eingebrachte Gesetzestext sieht Strafen von bis zu einem Jahr Haft und 45 000 Euro bei der Leugnung der offiziell anerkannten beiden Völkermorde vor. Aus Protest gegen die Verabschiedung des Gesetzestextes durch die Nationalversammlung Mitte Dezember hatte die türkische Regierung zeitweise ihren Botschafter zu Konsultationen in die Heimat zurückgeholt und die militärischen Beziehungen zu Frankreich eingeschränkt.