Berlin/Hannover (dpa) - Einmaliger Vorgang im Bundespräsidialamt: Ein Staatsanwalt und Beamte des Landeskriminalamtes Niedersachsen haben das ehemalige Amtszimmer des langjährigen Sprechers von Bundespräsident Christian Wulff, Olaf Glaeseker, durchsucht.

«Wir haben Unterlagen und Computerdateien beschlagnahmt, die jetzt ausgewertet werden müssen», sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Hannover, Hans-Jürgen Lendeckel, der «Bild am Sonntag».

Die Behörde ermittelt im Zusammenhang mit der Lobby-Veranstaltung Nord-Süd-Dialog wegen Verdachts der Bestechlichkeit gegen den engen Vertrauten Wulffs. Der Anfangsverdacht habe sich konkretisiert, sagte Lendeckel am Sonntag der Nachrichtenagentur dpa.

Eine Sprecherin des Bundespräsidialamtes sagte, «dass Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft Hannover am Donnerstag aufgrund eines Beschlusses des Amtsgerichts Hannover das Dienstzimmer des früheren Pressesprechers, Herrn Glaeseker, durchsucht haben.»

Glaeseker war kurz vor Weihnachten ohne Angaben von Gründen überraschend als Sprecher des Bundespräsidenten entlassen worden. Die Staatsanwaltschaft prüft, ob der 50-Jährige in seiner Zeit als niedersächsischer Regierungssprecher unter dem damaligen Ministerpräsidenten Wulff den Veranstaltungs-Manager Manfred Schmidt gefällig gefördert hat.

Glaeseker soll mehrere kostenlose Urlaube in Feriendomizilen Schmidts verbracht haben. Gegen Schmidt, der Nord-Süd-Dialog organisiert hatte, wird wegen Verdachts der Bestechung ermittelt.

Das Bundespräsidialamt hatte der Staatsanwaltschaft Hannover nach Bekanntwerden der Ermittlungen mitgeteilt, dass der 50-Jährige nach seiner Entlassung am 22. Dezember sein Arbeitszimmer noch nicht aufgelöst habe. Glaeseker hatte der «Bild am Sonntag» zufolge am vergangenen Wochenende wegen der laufenden Ermittlungen keinen Zutritt zu seinem Amtszimmer bekommen. Nach der Durchsuchung kann er nun hinein. «Er darf jederzeit seine Sachen abholen. Er hat jederzeit Zugang zu seinem Amtszimmer», sagte eine Sprecherin des Bundespräsidialamtes am Sonntag der dpa.

Normalerweise werden Akten von der Staatsanwaltschaft angefordert. Bei Glaeseker habe jedoch die Möglichkeit bestanden, dass sich in seinem Arbeitszimmer noch private Unterlagen befinden. In diesem Fall darf das Bundespräsidialamt diese aber nicht herausgeben. Daher hätten Ermittler die Akten mitgenommen, erläuterte Lendeckel.

Die Staatsanwaltschaft hatte bereits am 19. Januar Privat- und Geschäftsräume von Glaeseker in Niedersachsen durchsucht. Zusammen mit Beamten des Landeskriminalamts verschafften sich die Fahnder auch Zugang zu Räumlichkeiten des Eventmanagers Schmidt, der zu Wulffs Zeit als niedersächsischer Ministerpräsident enge Kontakte zur Staatskanzlei in Hannover gehabt haben soll.

Durchsucht wurden nach Angaben der Staatsanwaltschaft seinerzeit Immobilien in Wunstorf bei Hannover, Berlin und in der Schweiz. Die Ermittler stellten dabei Computerdateien und Dokumente sicher.

Die Staatskanzlei in Hannover hatte zunächst behauptet, die Landesregierung sei in die Vorbereitung des umstrittenen Nord-Süd-Dialogs nicht involviert gewesen. Inzwischen kommen aber immer mehr Details ans Licht, wonach es doch eine Beteiligung an dem Lobby-Treffen gegeben hat.