Davos (dpa) - Von allen Seiten prasseln Forderungen nach mehr Geld auf Bundeskanzlerin Angela Merkel ein. Um den Euro zu retten, müsse Deutschland sofort mehr Geld bereitstellen, lautet die häufigste Forderung, die auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos aufgestellt wurde.

An Merkel prallt das bisher ab. Fünf Tage Davos - das war wieder Ausnahmezustand in den Alpen. Stoßstange an Stoßstange quälten sich dicke Autos über schmale Straßen zum Kongresszentrum. Hinter Stacheldraht und mit Scharfschützen auf dem Dach wirkte dieses wie ein Hochsicherheitsgefängnis. Nach dem Willen von Forums-Gründer Klaus Schwab sollten hier neue Lösungen für die Krisen der Welt gefunden werden. Beim Euro-Thema zumindest scheiterte die Konferenz.

Wie isoliert Deutschland unmittelbar vor Beginn des EU-Krisengipfels ist, wurde in Davos noch deutlicher: Der IWF, die EU-Kommission, der engste Partner Frankreich, die Nicht-Euro-Staaten USA, Großbritannien und Mexiko - sie alle forderten eine noch viel höhere Brandschutzmauer um die Eurozone. Es müsse so viel Geld aufgeschichtet werden, dass ein Angriff der Finanzmärkte von vornherein aussichtslos erscheine.

Dagegen hatte Merkel in ihrer Eröffnungsrede durchblicken lassen: Noch mehr Geld aus Deutschland zur Krisenbekämpfung will sie nicht in Aussicht stellen. Ihr Argument: Wenn Deutschland Versprechungen mache, die am Ende vielleicht nicht zu halten seien, hätte die Eurozone erst recht «eine offene Flanke».

Der Währungsfonds, so die Botschaft seiner Chefin Christine Lagarde, wäre ja durchaus bereit, der Eurozone mit mehr Geld zu helfen, doch: «Der IWF braucht die Unterstützung seiner Mitglieder. Deshalb bin ich hier mit meiner Aktentasche. Ich möchte ein bisschen Geld einsammeln», sagte sie schmunzelnd.

Das Problem: Potenziell mächtige Geldgeber wie die USA oder Großbritannien wollen nicht mehr geben, so lange Merkel Nein zu einem größeren deutschen Engagement sagt. Die Euro-Länder müssten jetzt «signifikant mehr Geld» in ihre Firewall stecken, sagte der britische Finanzminister George Osborne. Es werde keine weiteren Zahlungen der anderen G20-Staaten inklusive Großbritannien an den IWF geben, «bis wir nicht die Farbe ihres Geldes sehen».

Streitigkeiten wie diese könne sich die Welt nicht mehr erlauben, unterstrich Lagarde. Eindringlich warnte sie vor den globalen Risiken, die sich aus den Spannungen in der Eurozone ergeben könnten: «Es ist keine europäische Krise, sondern eine Krise, die Domino-Effekte in der ganzen Welt verursachen kann.» Niemand sei immun.

Weltbank-Präsident Robert Zoellick sprach von einem gravierenden Vertrauensverlust. Viele Schwellenländer reagierten mit Unverständnis und sogar mit Verachtung auf die Verwirrung in der Eurozone. «Die Schwellenländer warten sicher nicht, bis sich die industrialisierte Welt organisiert hat.» Sie nähmen die Dinge selbst in die Hand: «Es ist eine offene Frage, wer hier beispielgebend vorangeht.»

Selbst aus Asien, das von der Euro-Schuldenkrise bislang wenig betroffen ist, kommen jetzt laute Rufe nach einem machtvolleren Handeln der Europäer. «Ich bin seit vier Jahrzehnten im öffentlichen Dienst tätig, aber ich habe nie mehr Angst um die Welt im derzeitigen Zustand gehabt als jetzt», sagte Hongkongs Regierungschef Donald Tsang. Die Krise sei heute sehr viel ernster als die Krisen der 80er oder 90er Jahre.

Weltwirtschaftsforum WEF

WEF bei Twitter

«Inside the Forum»-Podcast

WEF-Blog

Leitgedanken von Klaus Schwab

Occupy WEF