St. Moritz (dpa) - Bis zum Ende des Herzschlagfinales von St. Moritz hatte Maria Höfl-Riesch selbst nicht an ihren ersten Saisonerfolg geglaubt.

Erst als ihre Dauerrivalin Lindsey Vonn in der Super-Kombination mit dem hauchdünnen Rückstand von 3/100 Sekunden über die Ziellinie hechtete, warf die deutsche Doppel-Olympiasiegerin überglücklich den Kopf in den Nacken. «Gott sei Dank, der erste Sieg. Es ist natürlich eine riesengroße Erleichterung», sagte Höfl-Riesch und nahm ihre amerikanische Dauerrivalin in die Arme.

Erstmals nach mehr als elf Monaten und 25 Weltcup-Rennen fuhr die Doppel-Olympiasiegerin aus Partenkirchen wieder auf das oberste Treppchen. «Ich hab mir gedacht: es wird leider wieder nichts. Es war eine Überraschung, dass Lindsey hinten war.» Zuletzt war sie beim Super-G in Are im Februar 2011 als Siegerin geehrt worden.

Am Samstag musste sich Höfl-Riesch der überragenden Abfahrerin Vonn noch mit 1,42 Sekunden Rückstand geschlagen geben, in der ersten Kombination am Freitag verpasste sie mit einem schweren Torlauf- Patzer einen Podestrang. Doch der 21. Weltcup-Sieg gab ihr Selbstvertrauen für die Heimrennen am kommenden Wochenende in Garmisch-Partenkirchen. «Ich hoffe, dass ihr das so viel Luft verschafft, dass sie nicht immer mit der Bilanz der vergangenen Jahre konfrontiert wird», sagte Alpin-Direktor Wolfgang Maier. «Für die Maria war es mit den Platzierungen ein sehr gutes Wochenende. Wenn du Erste und Zweite wirst, gibt es gar nichts auszusetzen.»

Mit zwei Siegen durfte auch Vonn restlos zufrieden sein. In überragender Manier sicherte sie sich ihren 24. Erfolg in der Abfahrt. «Sie ist derzeit das Maß aller Dinge, mit Abstand. Es ist sehr schwer, mit ihr mitzuhalten», würdigte Höfl-Riesch in der ARD die «Extraklasse» der dreimaligen Gesamtweltcupsiegerin. Vonn fehlen in der schnellsten Disziplin noch zwölf Siege auf die Österreicherin Annemarie Moser-Pröll, die in der Bestenliste führt. Der 50. Erfolg, den hätte sie am Sonntag erreichen können, ist sicher nur vertagt.

Der vierte Kugel-Coup scheint dem US-Star bei 387 Punkten Vorsprung auf die Slowenin Tina Maze kaum noch zu nehmen. «Das erste Mal habe ich keine Fehler gemacht», kommentierte der US-Star ihren ersten Abfahrtscoup auf der Engiadina-Strecke und zeigte sich über den knapp verpassten Dreier-Coup nur kurz enttäuscht: «Ich bin sehr froh für Maria. Aber es wäre sehr schön für mich gewesen, wenn ich meinen 50. Sieg gefeiert hätte. Aber Maria war heute zu schnell.»

Für Höfl-Riesch ist es kein leichter Weg zu alter Stärke. Nach einem durchwachsenen Saisonstart und einer Rennpause wegen eines Grippeinfekts hat sie inzwischen den dritten Platz in der Gesamtwertung erobert. «Ich fühle mich in den Speeddisziplinen sowieso ziemlich im Aufwärtstrend», meinte die Siegerin der Abfahrt von 2010.

Ihre starke Form bestätigte Lena Dürr bei ihrer Premiere in der Super-Kombination zwar als Halbzeit-Zehnte, brachte sich mit einem Patzer beim Slalom aber um ihr bestes Weltcup-Ergebnis. «Der Super-G war wirklich voll cool, das hat mir richtig Spaß gemacht», sagte die 20-Jährige, die bislang zweimal Achte gewesen war. «Das gerade hat mir aber den Tag etwas versaut.»