Köln (SID) - Claudia Pechstein hat die Nationale Anti Doping Agentur (NADA) in der Affäre um den Erfurter Arzt Andreas Franke scharf angegriffen. Die fünfmalige Eisschnelllauf-Olympiasiegerin veröffentlichte vertrauliche E-Mails aus dem gegnerischen Lager und forderte indirekt den Rücktritt von NADA-Vorstand Lars Mortsiefer. Ihm wirft sie Verschleierung sowie Irreführung der Staatsanwaltschaft Erfurt vor.

Unter der Schlagzeile "Team Pechstein deckt auf" präsentierte die 39-Jährige unter anderem eine vertrauliche Mail von Mortsiefer an WADA-Justiziar Julien Sieveking. Aus dieser Mail und weiteren Schriftstücken geht Pechsteins Meinung nach eindeutig hervor, dass die in Erfurt durchgeführten Blutbestrahlungen kein Doping darstellten und die WADA dies der NADA bereits im Januar 2010 bestätigt habe.

"Die ganze sogenannte 'Causa Erfurt' konnte in meinen Augen lediglich zu einem solch gewaltigen Thema hochstilisiert werden, weil die NADA versagt hat", schrieb Pechstein: "Insbesondere der Justiziar und NADA-Vorstand Dr. Lars Mortsiefer hat dem Ansehen des deutschen Sports hierzulande, aber auch international schweren Schaden zugefügt und wird dafür die Verantwortung tragen müssen."

Sie wirft Mortsiefer vor, die Staatsanwaltschaft Erfurt, die seit Frühjahr 2011 gegen den Erfurter Mediziner Andreas Franke wegen dessen angeblich verbotener Behandlungsmethode ermittelt, nicht über die vermeintlich entlastenen Tatsachen informiert zu haben.

"Wir weisen die Vorwürfe entschieden zurück. Die von der Pechstein-Seite präsentierten Dokumente geben die fortlaufende Kommunikation zwischen NADA und WADA nur bruchstückhaft wieder und provozieren Fehlinterpretationen", sagte die NADA-Vorstandsvorsitzende Andreas Gotzmann dem SID.

Schon seit 2007 gebe es zu dieser Thematik "immer wieder Korrespondenz" zwischen NADA und WADA, betonte Gotzmann. "Daraus geht nach unserer Auffassung hervor: Schon vor dem 1. Januar 2011 war die Bestrahlung und Rückführung von 50 Milliliter Vollblut verboten", sagte die ehemalige Basketball-Nationalspielerin.

Das in den Fällen einer Eisschnellläuferin (nicht Pechstein) und eines Radprofis bereits eingeschaltete Deutsche Sportschiedsgericht (DIS) wird wohl nach dem Ende der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Erfurt (voraussichtlich März) sein Strafmaß verkünden. Die Staatsanwaltschaft ermittelt seit Frühjahr 2011 gegen Franke, der am Olympiastützpunkt Erfurt als Vertragsarzt tätig gewesen war und mindestens 30 Sportler, darunter nach Recherchen des WDR auch Pechstein, mit der umstrittenen Methode behandelt hat.