Berlin (dpa) - Eine unberechtigte Rote Karte für eine Dummheit des Herthaners Roman Hubnik haben Borussia Mönchengladbach den Weg ins Pokal-Halbfinale geebnet. Den entscheidenden Treffer beim 2:0 (0:0)-Sieg im Pokal-Viertelfinale erzielte Filip Daems in der 101. Minute per Foulelfmeter.

Zuvor hatte Schiedsrichter Felix Brych im Berliner Strafraum nach einem Wortgefecht von Hubnik gegen Igor Camargo einen Kopfstoß gesehen. Vor 47 465 Zuschauern im Olympiastadion kamen die Gladbacher so zu einem schmeichelhaften Erfolg in der Verlängerung, den der eingewechselte Oscar Wendt in der 120. Minute mit seinem ersten Ballkontakt endgültig sicher stellte. Die auch im Bundesliga-Titelkampf so kecken Gladbacher haben damit den ersten großen Titel seit 17 Jahren weiter im Visier. Zum ersten Mal seit achte Jahren stehen die Gladbacher im Halbfinale.

Nach zuletzt drei Bundesliga-Niederlagen unter der Regie des Neu-Trainers Michael Skibbe verpassten die Berliner in der Kühlbox des Olympiastadions auch im Pokal den erhofften Befreiungsschlag. Die Hausherren waren am Ende selber schuld, denn eine umstrittene Szene sorgte für das Gladbacher Siegtor. Nach einem Zweikampf gerieten Hubnik und Igor de Camargo im Strafraum aneinander, nachdem Berlins Torhüter Thomas Kraft den Ball sicher hatte. Statt weg zu bleiben, stürmte Hubnik auf den Gladbacher zu, der wie vom Blitz getroffen zu Boden sank. Schiedsrichter Brych sah einen Kopfstoß des Berliners, stellte den Hertha-Profi vom Platz und zeigte auf den Elfmeterpunkt. Das Geschenk ließ sich Filip Daems nicht entgehen. Adrian Ramos vergab zwei Minuten vor dem Ende den Ausgleich, hob den Ball über das Tor. Dann kam Wendt.

Nur einmal waren die Berliner in den vergangenen zehn Spielen siegreich gewesen - beim 3:1 im Pokal gegen den 1. FC Kaiserslautern. Nach dem Achtelfinalsieg über die Pfälzer kurz vor Weihnachten war das Engagement von Skibbe öffentlich gemacht worden. Eineinhalb Monate später wurde der Babbel-Nachfolger von einigen Fans bei der Vorstellung vor dem Pokal-Duell mit den Gladbachern schon ausgepfiffen.

In der Kühlbox Olympiastadion spielte die taktisch prima eingestellte Hertha auf dem hart gefrorenen Boden gefälliger, doch an der besten Abwehr der Bundesliga rieb sich der selbst ernannte Außenseiter aus Berlin zunächst auf. Der bei Gladbach als Reuss-Nachfolger ins Gespräch gebrachte Raffael war es, der nach einer halben Stunde nach einem katastrophalen Fehlpass von Brouwers die beste Berliner Chance nicht nutzen konnte. Der Brasilianer traf genau wie später Lasogga das Außennetz.

Vom für 17 Millionen Euro nach Dortmund wechselnden Nationalspieler Marco Reus, der beim 2:1-Erfolg der Gladbacher in der Bundesliga beide Tore erzielt hatte, war vor der Pause gar nichts zu sehen. Das sonst so gefälligen Aufbauspiel der Gladbacher erstickten bei Temperaturen unter minus zehn Grad die Berliner im Keim. «Ein Pokal-Fight sieht anders aus. Von beiden Seiten», sagte Gladbachs Sportdirektor Max Eberl in der Pause.

Nach dem Wechsel wurden die Gladbacher gefährlicher, doch die Berliner gaben den Ton an und hatten die beste Chance. Gerade war der aus Freiburg gekommene Felix Bastians eingewechselt worden, da traf der von Raffael in Szene gesetzte Peter Niemeyer in der 61. Minute nur den rechten Pfosten. Die einzige klare Gladbacher Möglichkeit verhinderte Keeper Thomas Kraft in der 78. Minute, als er dem mustergültig freigespielten Igor de Camargo den Ball vom Fuß pflückte. Die Gäste wurden in der Schlussphase immer stärker, zeigten wenigstens in den letzten zehn Minuten der regulären Spielzeit ihre in der Bundesliga bekannten Qualitäten.

Die in der Bundesliga so stark aufspielenden Gladbacher mit dem Berliner Ex-Trainer Lucien Favre mussten erneut auf den grippekranken Martin Stranzl verzichten, für den Brouwers genau wie schon beim torlosen Unentschieden in Wolfsburg in die Innenverteidigung gerückt war. Bei der zuletzt so erfolglosen Hertha waren die in der Bundesliga gesperrten Raffael und Kapitän Mijatovic wieder dabei. Auf Adrian Ramos verzichtet Hertha-Trainer Skibbe wegen Formschwäche und leichter Verletzung.