Bamberg (dpa) - Tommy Haas kehrt an diesem Wochenende nach mehr als vier Jahren Pause ins deutsche Davis-Cup-Team zurück. Der 33-Jährige will es im Spätherbst seiner Tennis-Karriere nochmal wissen und hat noch einige Ziele. Sein Traum: ein weiterer Turniersieg auf der ATP-Tour.

«Meine Glückszahl ist 13, ich habe zwölf Titel. Ich würde gerne 13 Titel mit nach Hause nehmen, wenn ich aufhöre Tennis zu spielen», sagte Haas im Interview der Nachrichtenagentur dpa vor der Erstrundenpartie gegen Argentinien in Bamberg.

In Ihrer Karriere wurden Sie oft von Verletzungen zurückgeworfen. Wie geht es Ihnen derzeit?

Haas: «Alles ist gut, sonst wäre ich nicht hier. Es ist körperlich so positiv wie schon seit langem nicht mehr.»

Wie war das Gefühl, nach so langer Pause wieder im Kreis der Davis-Cup-Mannschaft zu sein?

Haas: «Es ist wahnsinnig, wie schnell die Zeit vergeht. Es ist jetzt viereinhalb Jahre her. Letztes Mal war es 2007, jetzt haben wir 2012. Es verändert sich ja dann doch sehr, sehr wenig, es sind immer noch die gleichen Leute. Man freut sich, wieder dabei zu sein, es ist der gleiche Ablauf. Die Stimmung passt.»

Glauben Sie, dass Sie spielen werden? Haben Sie Signale von Teamchef Patrik Kühnen erhalten?

Haas: «Ich denke mal, dass ein Einsatz im Doppel möglich ist. Für das Einzel bevorzugt er Florian Mayer und Philipp Kohlschreiber, was auch vollkommen gerecht ist. Die beiden haben den Stammplatz verdient, auch vom Ranking her. Es sei denn, es werden irgendwelche Verletzungen dazukommen oder irgendjemand, der krank ist oder sich nicht wohlfühlt.»

Wie blicken Sie der Partie entgegen?

Haas: «Wir haben alle das gleiche Ziel: hier gegen Argentinien zu gewinnen, was keine leichte Aufgabe ist. Ich hoffe, dass ich mit meinem Ehrgeiz, meiner Erfahrung und meinen guten Trainingseinheiten auch alle sehr gut vorbereiten kann für die schwierigen Situationen am Wochenende.»

Was nehmen Sie sich für 2012 vor, wie weit schauen Sie voraus?

Haas: «Ich schaue gar nicht weit voraus. Es ist so, dass ich noch nicht genau weiß, wie es weitergeht, da ich vom Ranking her ja immer noch relativ weit hinten stehe und dann in vielen Turnieren über die Quali gehen müsste, es sei denn, ich bekomme eine Wildcard. Wenn ich mich nicht vorspielen sollte in den nächsten fünf, sechs, sieben, acht Monaten und nur über die Quali gehen oder nur hoffen kann, dass ich Wildcards bekomme, dann wird's auch schwer.»

Nehmen wir an, es klappt ganz gut und ihr Körper lässt Sie nicht im Stich. Wie würde es dann mit ihren Plänen für 2013 aussehen?

Haas: «Wenn der Körper hält und ich hier und da mal den einen oder anderen Erfolg feiern kann und ich das Gefühl habe, dass ich mich auch körperlich wieder auf dem Platz sehr gut bewegen und ohne Schmerzen auch zwei, drei Stunden spielen kann und merke, dass ich da noch mithalten kann, dann möchte ich so lange spielen, bis ich sage, es ist jetzt vorbei. Aber vorher sehe ich keine Grund aufzuhören.»

Was bedeutet das konkret? Worauf achten Sie bei der Entscheidung?

Haas: «Es kommt jetzt auch eben darauf an, wie dieses Jahr verläuft. Wie fühle ich mich, wie erfolgreich bin ich? Und dann kann man eben sagen, macht das noch Sinn, mache ich noch weiter? Wenn der Körper hält und ich ein gutes Team habe und auch mal Erfolge hier und da, dann sehe ich keinen Grund aufzuhören. Tennis ist mein Leben, Tennis ist mein Sport, und ich liebe diese Momente, in großen Stadien spielen zu können wie jetzt gegen Rafael Nadal bei den Australian Open. Das sind die Momente, warum man sich gerne quält und nochmals versucht, einen Angriff zu starten.»

Apropos Nadal - wie beurteilen Sie derzeit die Situation an der Spitze des Welttennis?

Haas: «Man geht immer vom Ranking her, und da ist Novak Djokovic mit Abstand klar die Nummer eins. Er hat gerade wieder drei von vier Grand Slams in seinem Schrank, also ist er mit Sicherheit derjenige, den man schlagen muss dieses Jahr. Djokovic strotzt nur so vor Selbstvertrauen. Ich denke mal, ein Nadal wird immer Favorit sein bei den French Open, aber bei allen anderen Turnieren ist jetzt Djokovic wieder Favorit.»

Und welches Ziel haben Sie noch im Ranking?

Haas: «Ich war jetzt fast schon auf jeder Position, die ich mir erhofft habe, außer vielleicht die Nummer eins, was eigentlich nie mein Traum war. Mein Traum war immer, Top-Ten-Spieler zu werden. Im Moment gibt es eigentlich nur eine Position, die zählt: so weit wie möglich nach vorne zu kommen, so dass man bei den meisten Turnieren ins Hauptfeld reinrutscht. Dafür müsste man so auf den ersten 80, 70, 60 stehen.»

Welche sportlichen Träume haben Sie noch?

Haas: «Generell ist mein Ziel, körperlich so fit zu werden wie schon seit langem nicht mehr und irgendwo noch mal richtig gut zu spielen, um vielleicht irgendwann noch mal irgendwo ein Turnier auf der Tour zu gewinnen, noch mal eine Trophäe hochzuhalten. Meine Glückszahl ist 13, ich habe zwölf Titel, ich würde gerne 13 Titel mit nach Hause nehmen, wenn ich aufhöre, Tennis zu spielen. Das ist noch so ein kleiner Traum von mir.»

Und was ist mit dem Davis Cup?

Haas: «Auch im Davis Cup ist es noch mal vielleicht so ein kleiner Traum, hier die erste Runde gegen Argentinien zu gewinnen. Wer weiß, was dann noch alles drin ist.»

Viele Fans hoffen, dass Sie nochmals bei einigen Turnieren in Deutschland aufschlagen. Wie schauen diesbezüglich Ihre Pläne aus?

Haas: «Halle ist sowieso immer klar. Das ist mit Abstand eines meiner Lieblingsturniere auf einem Belag, den ich sehr gerne spiele, auf diesem schnellen Rasen. Das Turnier habe ich vor drei Jahren auch noch mal gewinnen können und fast jedes Jahr gespielt. Das eine oder andere Turnier in Deutschland würde ich auch eventuell noch mal gerne spielen. Aber ich bin nicht so ein Fan von Sandplatz generell. So ein richtiger schwerer Sand wie zum Beispiel in München, wie zum Beispiel in Hamburg oder auch in Stuttgart, das ist nicht so optimal für mein Spiel. Aber wer weiß, vielleicht überlege ich mir das noch mal dieses Jahr.»

Gerade in Hamburg würden Sie die Leute sicher am Rothenbaum gerne noch einmal sehen...

Haas: «Vielleicht gibt es ja noch mal die Chance, in Hamburg aufzuschlagen. Das wäre auch noch mal sehr schön. Ich war schon sehr lange nicht mehr dort in meiner Geburtsstadt, was für mich eine der schönsten Städte ist, und würde da auch noch mal gerne meine Frau mitbringen, die das auch noch nicht gesehen hat. Überall gibt es immer eine klitzekleine Chance.»