Berlin (dpa) - Fehler ja, Konsequenzen nein. Hertha-Manager Michael Preetz kämpft nach dem Skibbe-Flop nicht nur gegen das Chaos beim Abstiegskandidaten Hertha BSC, sondern auch um seine Reputation und Zukunft.

«So wie ich Fußball gespielt habe, kämpferisch, mache ich auch meinen Job», erklärte Preetz. Beim kräftig in die Krise geschlitterten Hauptstadtclub ist der offiziell als Geschäftsführer Sport und Kommunikation amtierende Ex-Stürmer nach dem Rauswurf von Michael Skibbe nun schon wieder auf der Suche nach einem neuen Retter-Trainer.

Sportlich ist Hertha nach zehn Ligaspielen ohne Sieg dicht an die gefürchtete Absturzzone gerutscht. Das öffentliche Bild, das der Aufsteiger seit Wochen abgibt, ist verheerend. Dass so der Manager immer mehr im Brennpunkt steht, kommt alles andere als überraschend. «Ich bin einer, der sich mit der Sache voll und ganz identifiziert. Es liegt in der Natur der Sache, wenn gearbeitet wird, dass nicht jede Entscheidung sitzen kann», sagte der frühere Torjäger Preetz im «Sportplatz» des Senders rbb zu seiner Verteidigung.

«Seine Arbeit ist sicher nicht vom Glück verfolgt», formulierte Franz Beckenbauer zurückhaltend zu Preetz. Andere Kritiker und sogar eine wachsende Zahl von Hertha-Fans sind da weitaus deutlicher und halten ihm vor: Vier Trainer verschlissen, die Gefahr des zweiten Abstiegs weiter vergrößert, einige überbewertete Profis eingekauft - alles in der Verantwortung des Managers. «Das überlasse ich Ihnen», sagte Herthas Ex-Trainer Markus Babbel auf die Frage, ob die Berliner Krise woanders begründet liege als bei den Trainern.

«Selbstverständlich hinterfrage ich mich», beteuerte Preetz. Zuvor hatte er selbst die Verpflichtung Skibbes als «Fehleinschätzung» eingestuft und mit der Beurlaubung «korrigiert». Aufgeben aber kommt für Herthas Rekordtorschützen nicht infrage. «Es ist nicht damit getan, eine solche Pauschalabrechnung vorzunehmen», wehrte sich der von den Turbulenzen sichtlich gezeichnete Manager.

Für Clubchef Werner Gegenbauer, der einst Herthas langjährigen Manager Dieter Hoeneß entmachtet hatte, ist Preetz alternativlos. Maßstab sei, dass Entscheidungen zum Wohle von Hertha getroffen werden, betonte der Präsident: «Dazu gehört es auch, Fehler zu korrigieren. Und klipp und klar: Beides tut Michael Preetz, er steht nicht zur Debatte.» Weder der Manager noch er selbst würden jetzt ihre Positionen aufgeben: «Es ist Hertha BSC nicht damit gedient, wenn die, die Verantwortung tragen, in schwierigen Situationen davonlaufen», sagte Gegenbauer der «Berliner Morgenpost».

Preetz hat in seinen zweieinhalb Jahren als Hertha-Macher Nummer eins den Schweizer Lucien Favre verloren, der jetzt gerade Borussia Mönchengladbach zu einem Spitzenteam formt. Er hat dessen Nachfolger Friedhelm Funkel bis zum bitteren Abstieg behalten. Er hat nach eineinhalb erfolgreichen Aufbruchsjahren mit Markus Babbel dessen bösen Abgang nicht verhindern können. Und er hat sich in Skibbe offenbar deutlich vertan. «Ich sehe das viel differenzierter», erwiderte Preetz seinen Kritikern.

Noch sieht der Manager seinen Club nach dem Abstieg 2010 im Plan: «Wir sind angetreten, um wieder in die 1. Liga aufzusteigen, das ist erreicht. Jetzt sind wir angetreten mit dem Ziel Klassenerhalt.» Dies zu schaffen, ist nicht nur für Preetz, sondern den ganzen, mit rund 35 Millionen Euro verschuldeten Verein das alles Entscheidende. «Ich werde das gemeinsame Ziel nicht aus dem Auge verlieren, dass wir am 5. Mai diese Klasse auch für die nächste Saison sichergestellt haben.» Wenn nicht, dürfte es auch den Manager Preetz bei Hertha nicht mehr geben.

Auch deshalb wird sich Preetz nach der Berufung der Berliner Ex-Profis René Tretschok und Ante Covic zu Interimstrainern bei der Suche nach dem neuen Chefcoach «Zeit und Sorgfalt nehmen». Das Duo Tretschok/Covic soll die Hertha auch ins 1000. Bundesligaspiel am kommenden Samstag gegen Meister Borussia Dortmund führen. An Spekulationen über mögliche Nachfolge-Kandidaten wie Holger Stanislawski will sich Preetz nicht beteiligen: «Es ist nicht davon auszugehen, dass wir heute oder morgen eine Lösung haben.»