Dresden (dpa) - Dresden hat der Opfer der alliierten Bombenangriffe und der Zerstörung vor 67 Jahren gedacht. In Predigten und Gedenkreden wurde daran erinnert, dass das millionenfache Leid im Zweiten Weltkrieg seinen Ursprung in Nazi-Deutschland hatte.

Angehörige und Bürger besuchten die Gräber der Toten vom Februar 1945 und legten Blumen nieder. Die Friedensandacht in der Frauenkirche vereinte Menschen im Gebet.

Mit Blick auf den für den Abend angemeldeten Neonazi-Aufmarsch mahnte Pfarrer Holger Treutmann zu friedlichem Protest. Dagegen sollte sich zuvor eine Menschenkette rund um die Altstadt formieren. Das linke «Bündnis Nazifrei» hatte Gegenaktionen initiiert und zur Blockade des Fackelmarsches der Rechtsextremisten aufgerufen.

«Wir denken an die Betroffenen und Toten dieses 13. Februar 1945, aber auch an die vielen Zerstörungen und Brände in Europa und der Welt, die von deutschem Boden ausgingen», sagte Frauenkirchen-Pfarrer Treutmann. Es brauche ein deutliches Zeichen der Gegenwehr, gegen den Missbrauch des Gedenktages für fremdenfeindliche Ideologien und geschichtliche Fälschungen. Die Frauenkirche war 1945 ausgebrannt und eingestürzt. Sie gilt seit ihrem Wiederaufbau als Symbol für Frieden und Versöhnung.

Knapp 1000 Menschen begaben sich auf den «Mahngang Täterspuren», der dem Mythos von der unschuldigen Stadt entgegentritt. Dresden sei Teil des nationalsozialistischen Systems gewesen und nicht dessen Opfer, sagte eine Sprecherin des Organisatoren. Die Vernichtung der Juden sei erst durch deren langsamen Ausschluss aus der Gesellschaft möglich geworden. «Hier im Alltag begann der Weg, der in die Vernichtung führte.»

Auf dem Heidefriedhof wurde offiziell der etwa 25 000 Toten der Bombennacht gedacht. Rund 200 Menschen zogen zur letzten Ruhestätte vieler Opfer, legten weiße Rosen als Zeichen für die Überwindung von Krieg, Rassismus und Gewalt nieder. Der amtierende Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) erinnerte, dass Ideologie und Hass des Nazi-Regimes das Grauen über Deutschland und andere Länder brachten. «Rechtsextreme, die unsere Stadt an diesem Tag heimsuchen, wollen wir hier nicht - weder am 13. Februar noch an einem anderen Tag.»

Um 17.00 Uhr sollte die Menschenkette um die Altstadt gebildet und eine Stunde später unter Geläut der Kirchenglocken für 15 Minuten geschlossen werden. Damit wollen die Dresdner gegen den Missbrauch des Erinnerns durch Rechtsextreme demonstrieren. Gegen den geplanten Fackelzug von Neonazis durch die City haben Parteien, Kirchen und Verbände unter dem Motto «Mit Mut und Toleranz - Dresden bekennt Farbe» zum friedlichen Protest aufgerufen. Die angestrebten Blockaden sollen nach dem Willen des Bündnis «Nazifrei - Dresden stellt sich quer» gewaltfrei bleiben. «Von uns geht dabei keine Eskalation aus», teilten die Initiatoren mit.

2010 und 2011 hatten tausende Menschen den Neonazi-Marsch durch die Stadt verhindert. Blockaden gelten in Sachsen als Straftat, die Justiz ermittelt noch gegen Teilnehmer vom Vorjahr wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz. Ein Großaufgebot von 5800 Beamten aus mehreren Bundesländern sowie der Bundespolizei soll Ausschreitungen zwischen Linken und Rechten verhindern.