Duisburg (dpa) - Für die Nachfolge des abgewählten Duisburger Oberbürgermeisters Adolf Sauerland haben sowohl dessen CDU als auch seine Gegner eine parteiübergreifende Lösung ins Spiel gebracht.

«Wir sind zu konstruktiven Gesprächen bereit», sagte der CDU-Kreisvorsitzende Thomas Mahlberg im WDR zur Frage nach einem gemeinsamen Kandidaten. Man müsse zum Wohl der Stadt «Gräben zuschütten».

Auch das Abwahlbündnis, zu dem unter anderem SPD, Grüne und Linke gehörten, zeigt sich offen für eine Konsenslösung. «Wir brauchen jetzt einen Kandidaten, der parteiübergreifend unterstützt wird», hatte der Sprecher der Initiative, Theo Steegmann, noch am Wahlabend gesagt.

Ein Nachfolger für Sauerland muss innerhalb von sechs Monaten gewählt werden. Die Duisburger hatten sich in ihrem Bürgervotum am Sonntag überraschend deutlich gegen ihn ausgesprochen. Für die Abwahl stimmten 129 833 Wähler. Das waren wesentlich mehr als die für eine Abwahl notwendigen rund 92 000 Stimmen. Sauerland steht seit der Loveparade-Panik vor eineinhalb Jahren massiv in der Kritik. Damals kamen 21 Menschen ums Leben, Hunderte wurden verletzt.

Auch der Duisburger SPD-Geschäftsführer Jörg Lorenz zeigte sich offen für einen parteiübergreifenden OB-Kandidaten: «Es ist wichtig, dass wir jetzt mit allen reden.» Die SPD werde in Gremiensitzungen am Montag beraten und um einen Verhandlungsauftrag mit den anderen Parteien bitten. Im Duisburger Stadtrat gibt es seit Anfang vergangenen Jahres eine rot-rot-grüne Zusammenarbeit.

Sauerland ist der erste Rathauschef in einer nordrhein-westfälischen Großstadt, der auf diese Weise seinen Posten einbüßt. Die CDU hat damit vorerst ihren letzten Oberbürgermeister in den großen Städten des Ruhrgebiets verloren.

Sauerlands Gegner feiern den erzwungenen Rücktritt. «Das ist politische Genugtuung», sagte Steegmann am Morgen im ARD-Morgenmagazin. «Die Bürger Duisburgs können stolz darauf sein, was sie erreicht haben.»

Der Generalsekretär der NRW-CDU, Oliver Wittke, hob hingegen die Leistung Sauerlands hervor. «Adolf Sauerland hat sich für die Stadt Duisburg große Verdienste erworben und ihr nach vielen Jahren des Stillstands wieder eine Zukunftsperspektive aufgezeigt», hieß es in einer Mitteilung. Sauerland hatte den Oberbürgermeister-Sessel in der SPD-Hochburg Duisburg 2004 erobert und fünf Jahre später verteidigt.

Der 56-Jährige reagierte sehr betroffen. «Zu meiner Amtszeit gehören viele positive Ereignisse, aber eben auch die Loveparade», sagte Sauerland nach Bekanntgabe des Abwahl-Ergebnisses. «Ich war gern Oberbürgermeister mit Herzblut und Leidenschaft.» Er hoffe, «dass die politischen Parteien jetzt die Kraft haben, aufeinander zuzugehen». Sauerland und die Duisburger CDU hatten das Abwahlverfahren als Kampagne und «parteipolitische Abrechnung» kritisiert.

Wenn der Wahlausschusses an diesem Mittwoch das Ergebnis bestätigt, scheidet Sauerland aus dem Amt. Die Stadt wird dann vorübergehend vom Ersten Bürgermeister repräsentiert. Der Stadtdirektor übernimmt die Rolle des Chefs der Verwaltung.

Der nordrhein-westfälische Grünen-Fraktionschef Reiner Priggen sprach von einem Sieg für die direkte Demokratie. «Duisburg hat nun den Beweis erbracht, dass ein Quorum von 25 Prozent, das von vielen als hoch empfunden wurde, richtig und angemessen ist», erklärte Priggen.

Mitteilung der Stadt zum Ergebnis

Mahlberg am Montag im WDR

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