Newark (dpa) - Von einer stillen Trauerfeier war dieser Gottesdienst weit entfernt. «Wir feiern ihr Leben!», rief Pastor Joe Carter den Gästen in der «New Hope»-Baptistenkirche in Newark entgegen und die riefen begeistert ihr «Amen» oder «Halleluja» zurück.

Der Gottesdienst für Whitney Houston in der Kirche, in der sie zum ersten Mal öffentlich aufgetreten war, war kein Pop-Event und hatte trotz Promi-Gästen wenig Glamour. Doch er war durch und durch Gospel, ein Bekenntnis zur Liebe Gottes und vor allem eine würdevolle Erinnerung an die berühmte Tochter der New Yorker Industrievorstadt Newark, die sonst eher grau und trist wirkt.

Der weiß gekleidete Gospel-Chor sang optimistische, fast fröhliche Lieder. Und doch kämpfte manche Sängerin immer wieder mit den Tränen, wenn der Blick auf den glänzenden Sarg fiel, der ganz vorn in der Kirche stand. An der gleichen Stelle stand vor mehr als drei Jahrzehnten ein dünnes Mädchen bei seinen ersten Auftritten. Man kannte sie, die Tochter der Sängerin Cissy Houston, die Cousine der Sängerin Dionne Warwick, die Patentochter von Aretha Franklin. Keine Überraschung also, dass auch die kleine Whitney sang. Aber wie sie sang, das machte Gänsehaut. Das hatte Weltstar-Potenzial.

«Sie hat uns nie vergessen», sagte der Gospel-Sänger BeBe Winans unter Tränen. «Und wisst Ihr, was ich am meisten vermisse? Die verrückte Whitney!» Immer wieder von Lachen unterbrochen, immer wieder vom Griff zum Taschentuch unterbrochen, erzählte der 49-Jährige ein paar Anekdoten und das Publikum lachte befreit. «Sie hat uns immer als ihre Familie betrachtet», sagte Winans. Und deshalb sei ihre ganze Familie nun auch zusammengekommen.

«Unsere Herzen sagen, ihr Tod sei ungerecht. Aber die Bibel lehrt uns: Die Liebe ist stärker als der Tod. Warum also machen wir uns alle Sorgen, wir, die wir hier sitzen und Whitney lieben?», sagte Bischof Thomas Jakes. Und auch er kämpfte mit den Tränen. Es war ein sehr schwarzer Gottesdienst, lebhaft, immer wieder von zustimmenden, begeisterten Rufen unterbrochen. Und all die Superstars wie Dionne Warwick, Stevie Wonder oder R. Kelly waren einfach Gläubige.

Kevin Costner, der vor 20 Jahren Houstons Filmpartner im Kinohit «Bodyguard» war, fiel als einer der ganz wenigen Weißen auf. Und er wusste es. «Ich danke Ihnen, dass Sie mich und meine Frau so freundlich empfangen haben», sagte er und man merkte, dass er eher als Gast denn als Gemeindemitglied seine Rede begann. Er brach das Eis, als er erwähnte, dass auch er mit einer Baptistenkirche aufwuchs. Und als er Houston würdigte: «Jetzt ist eine junge Frau im Himmel, die Gott staunen lässt, wie er so etwas Perfektes erschaffen konnte.»

Costner sprach die vielleicht denkwürdigsten Worte des Tages, als er Houston eine Liebeserklärung machte: «Sie war so unsicher und dachte immer, sie sei nicht gut genug. Aber, Whitney, wenn Du mich jetzt hören kannst: Du warst nicht nur gut genug. Du warst großartig. Du hast so verdammt toll gesungen. Und es gab so viele Männer, die meine Rolle spielen konnten, ich war so ersetzbar. Aber niemand anderes - niemand! - hätte an Deiner Stelle sein können.» Zuletzt versagte dem Oscar-Preisträger fast die Stimme. Doch bevor die Gemeinde aufstand und ihm applaudierte, blickte Costner noch auf den Sarg und sagte: «Whitney ist jetzt zu Hause.»

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