Augsburg (dpa) - Otto Rehhagel hat seine Rettungsmission bei Hertha BSC mit einer demoralisierenden 0:3 (0:0)-Niederlage beim Aufsteiger FC Augsburg begonnen.

Nach der Pleite im Kellerduell müssen die seit nun zwölf Spielen sieglosen Berliner nach dem Sturz auf Tabellenplatz 16 mehr denn je um den Verbleib in der Fußball-Bundesliga bangen. Ein Doppelschlag von FCA-Mittelstürmer Torsten Oehrl (61./63. Minute) und der Treffer des eingewechselten Marcel Ndjeng (90.+2) in der Nachspielzeit schockten Rehhagel bei seinem völlig missglückten Erstliga-Comeback und stürzten die erschreckend schwache Hertha auf den Relegationsplatz. Augsburg verbesserte sich vor 29 123 feiernden Zuschauern durch seinen höchsten Bundesligasieg auf Platz 15 - so gut stand der Liga-Neuling seit dem 3. Spieltag nicht da.

Mit einer «positiven Anspannung» kehrte Rehhagel nach 4165 Tagen auf die Trainerbank in einem Bundesligastadion zurück. Der 73-Jährige - wie vor über einem Jahrzehnt im Trainingsanzug - hatte die Berliner Startelf nur auf einer Position verändert. Pierre-Michel Lasogga rückte ins Angriffszentrum, das 4-2-3-1-System blieb.

Hertha schien anfangs vom neuen Übungsleiter beflügelt. Lasogga hatte gleich eine Kopfballchance (2.). Und einen Schuss von Raffael musste FCA-Kapitän Paul Verhaegh auf der Linie klären (10.). Danach kam praktisch nichts mehr. Fußballerisch wurde im Abstiegskampf wenig geboten. Lasogga kam im Zweikampf mit Sebastian Langkamp zu Fall (22.), auf der Gegenseite forderte auch Augsburg nach einem Kontakt von Lewan Kobiaschwili gegen Hajime Hosogai Elfmeter (28.).

Die von Trainer Jos Luhukay auf drei Positionen veränderten Augsburger agierten mit mehr Leidenschaft, übernahmen auch die Spielkontrolle und erarbeiteten sich erste Chancen. Der Südkoreaner Ja-Cheol Koo prüfte Hertha-Keeper Thomas Kraft (25.), Oehrl schoss vorbei (30.) und Hertha-Verteidiger Felix Bastians hätte mit einem verunglückten Querschläger fast ein Eigentor erzielt (37.).

Das bescheidene Niveau der Begegnung nahm nach dem Seitenwechsel zunächst noch ab. Herthas offensive Qualität mit Raffael, Ramos oder Ebert blieb auch unter Rehhagel völlig verschüttet - ein Hertha-Tor im Jahr 2012 sagt alles. Augsburg mühte sich nach Kräften - und wie aus dem Nichts explodierte der Aufsteiger mit zwei wunderbaren Toren.

Nach Flanke von Alex Bellinghausen legte Koo den Ball mit der Hacke ab auf Oehrl, der aus kurzer Distanz vollendete. Nur 99 Sekunden später jagte der 26-Jährige den Ball wiederum nach Zuspiel von Koo mit dem rechten Fuß gleich noch einmal ins Berliner Tor.

Hertha und Rehhagel waren geschockt und unfähig zu einer Reaktion. Das Team gab sich auf und agierte wie ein Absteiger. «König Otto» musste die von Augsburgs Manager Andreas Rettig im Vorfeld angedrohte «Majestätsbeleidigung» bis zum Schlusspfiff konsterniert ertragen - in der Nachspielzeit gab es durch Ndjeng sogar noch eine Zugabe.