Berlin (dpa) - Der designierte Bundespräsident Joachim Gauck wirbt nach dem Krach in der schwarz-gelben Regierungskoalition um Zustimmung bei den Parteien. Am Samstag machte er den Anfang bei der CDU in Nordrhein-Westfalen, die ihm breite Unterstützung zusicherte.

Zudem scheint Gaucks Team für Schloss Bellevue Gestalt anzunehmen. Zeitungsberichten zufolge soll der Oberkirchenrat David Gill, ein Vertrauer Gaucks, das Bundespräsidialamt leiten.

Erstmals seit seiner Nominierung besuchte Gauck am Samstag eine Parteiveranstaltung: Drei Wochen vor seiner geplanten Wahl zum Staatsoberhaupt stellte er sich der nordrhein-westfälischen CDU im niederrheinischen Hamminkeln vor. Das Treffen sei eine Gelegenheit zu zeigen, «dass die ursprünglichen Pläne der Union und meine Person gut zueinander passen», sagte Gauck.

Bei der NRW-CDU traf er auf viel Sympathie: Der 72-Jährige habe sehr überzeugt und könne auf breite Unterstützung bauen, sagte der CDU-Landeschef und Bundesumweltminister Norbert Röttgen nach dem knapp zweistündigen Zusammentreffen. «Er hat hier wirklich Eindruck gemacht.» Die CDU-Chefin und Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte Gauck lange nicht als Präsidentschaftskandidaten gewollt. Die Kandidatenkür löste einen Koalitionskrach zwischen CDU und FDP aus.

Zu aktuellen politischen Themen nahm Gauck am Samstag nicht öffentlich Stellung: «Ich werde noch nichts darüber sagen, was ich vorhabe oder schon gar nicht, was ich für ein toller Typ bin», sagte er auf Journalistenfragen.

In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid für den «Focus» wünschte sich jeder zweite Bundesbürger, dass sich Gauck in seiner Amtszeit verstärkt zum Thema der sozialen Gerechtigkeit äußere. 21 Prozent wollten als Schwerpunkt den Zustand des Kapitalismus, 11 Prozent die Integration von Ausländern und sieben Prozent die Vollendung der deutschen Einheit. Die Freiheit - ein Kernthema Gaucks - wünschen sich der Umfrage zufolge acht Prozent der Bürger als Themenschwerpunkt.

Der frühere Leiter der Stasi-Unterlagenbehörde soll am 18. März als Nachfolger für Christian Wulff von der Bundesversammlung ins höchste Staatsamt gewählt werden. Die nordrhein-westfälische CDU schickt dazu unter anderem die Frauenrechtlerin Alice Schwarzer als Wahlfrau nach Berlin.

An diesem Montag wird Gauck bei den Vorstandssitzungen von CDU und SPD erwartet. Später will er die Fraktionen besuchen. Auch einem Gespräch mit der Linkspartei, die seine Kandidatur ablehnt, wird er sich seinem Sprecher zufolge nicht verweigern.

Außenminister Guido Westerwelle (FDP) erwartet von einer Präsidentschaft Gaucks positive Auswirkungen auf das Bild Deutschlands im Ausland. Gauck werde ein Bundespräsident sein, «der mit seiner Freiheitsvita das Ansehen Deutschlands auch international mehren wird», sagte Westerwelle dem «Tagesspiegel» aus Berlin.

Berichte, wonach Gaucks Vertrauter Gill, Oberkirchenrat im Dienst der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), das Bundespräsidialamt leiten soll, wollte ein Sprecher Gaucks nicht bestätigen. Gill war bis 1992 unter Gauck der erste Sprecher der Stasi-Unterlagenbehörde und im vergangenen Jahr auch als Nachfolger der damaligen Leiterin Marianne Birthler im Gespräch.

Gaucks Lebensgefährtin Daniela Schadt will künftig nicht mehr als Journalistin arbeiten und sich neuen Aufgaben in Berlin zuwenden. «Es gibt aber noch keine konkreten Entscheidungen. Ich weiß im Moment noch nicht so genau, wie es weiter geht», sagte sie der Nachrichtenagentur dpa in Fürth. Die Situation sei einfach noch so neu für sie. Schadt, die bisher bei der «Nürnberger Zeitung» als Leitende Politikredakteurin beschäftigt war, lebt seit rund zwölf Jahren mit Gauck zusammen, der noch verheiratet ist.

Unterdessen schließt CSU-Chef Horst Seehofer ein politisches Comeback des ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff nicht aus. Auf die Frage, ob Wulff nach seinem Rücktritt eine Zukunft in der Politik habe, sagte Seehofer der «Bild am Sonntag»: «Das kann niemand heute sagen. Wie bei Karl-Theodor zu Guttenberg geht es darum, dass die Betreffenden Ruhe finden, zu sich kommen, die Dinge verarbeiten können. Dann erst stellen sich solche Zukunftsfragen.»