Kairo/Beirut (dpa) - Trotz der jüngsten internationalen Bemühungen um eine Waffenruhe hat Syriens Regime seine Offensive gegen die Gegner von Präsident Baschar al-Assad fortgesetzt. Am Samstag nahmen Regierungstruppen nach Angaben von Aktivisten erneut Ziele in den Protesthochburgen Homs und Hama unter Beschuss.

Dutzende Menschen starben. Das Rote Kreuz konnte derweil erste Verletzte aus den Krisengebieten bringen. Die vor wenigen Tagen in Homs verletzten Journalisten waren nicht unter ihnen.

Die französische Reporterin Edith Bouvier und der britische Fotograf Paul Conroy hatten am Mittwoch bei einem Artillerieangriff Verletzungen am Bein erlitten. Bei der Attacke waren die US-amerikanische Journalisten Marie Colvin und der französischen Fotograf Rémi Ochlik getötet worden.

Landesweit kamen am Samstag nach Oppositionsangaben mindestens 42 Menschen ums Leben, die meisten von ihnen in der Krisenregion Hama sowie in Aleppo. Auch in der seit Wochen umkämpften Protesthochburg Homs dauerten die Gefechte weiter an. Der syrische Aktivist Omar Homsi sagte der Nachrichtenagentur dpa, dass Dutzende Geschosse auf das Viertel Al-Chalidija gefeuert worden seien. Ungeachtet der bürgerkriegsähnlichen Zustände will Assad an diesem Sonntag über eine neue Verfassung für Syrien abstimmen lassen.

Das Rote Kreuz hat derweil erste Verletzte sowie Frauen und Kinder aus Homs herausgeholt. Hicham Hassan vom Roten Kreuz sagte dem arabischen Nachrichtensender Al-Dschasira, 7 Verletzte und 20 Frauen und Kinder seien zunächst in Sicherheit gebracht worden. Der Konvoi von Ambulanzfahrzeugen des Syrischen Roten Halbmonds und des Roten Kreuzes sei am Freitagnachmittag in den Stadtteil Baba Amro gefahren und habe die Menschen in Sicherheit gebracht. Zu diesem Zeitpunkt habe jedoch keine Kampfpause geherrscht.

Das Internationale Komitee des Roten Kreuzes (IKRK) setzt sich für eine täglich zweistündige Kampfpause ein, um die Menschen in den Krisenregionen besser versorgen zu können. Der Nachrichtenagentur dpa sagte Hassan, dass die Verhandlungen mit Repräsentanten der syrischen Regierung und der Opposition wieder aufgenommen worden seien. Ziel der Helfer sei es, alle Verletzten aus dem belagerten Baba Amro herauszubringen.

Am Freitag hatte sich die neue Kontaktgruppe der Freunde Syriens erstmals in Tunesien getroffen, um über eine Lösung des Konflikts zu beraten. Die mehr als 60 Staaten und Organisationen drohten mit weiteren Sanktionen, falls das Regime die Gewalt gegen das eigene Volk nicht sofort beende. Von einer Militärintervention in Syrien wollten die Teilnehmer jedoch nichts wissen. Sie hatten sich zusammengeschlossen, nachdem die Vetomächte Russland und China im UN-Sicherheitsrat mehrfach Zwangsmaßnahmen gegen Syrien verhindert hatten.