Kabul (dpa) - Auch am fünften Tag nach der Koranverbrennung durch US-Soldaten gehen die blutigen Proteste in Afghanistan weiter. Mindestens drei Menschen starben bei landesweiten Aufständen, mehrere wurden verletzt.

In Kundus versuchte ein Mob, das Büro der Vereinten Nationen und das Polizeihauptquartier zu stürmen, wie der Vizepolizeichef der Provinz Kundus, Gulam Mohammad Farhad mitteilte. Mindestens zwei Demonstranten seien bei den Zusammenstößen mit der Polizei in Kundus getötet worden, sechs weitere wurden verletzt. Auch drei Polizisten erlitten Verletzungen, sagte Farhad.

Auf einer Militärbasis im Nordwesten des Landes starben sechs afghanische Soldaten beim Versuch, eine Bombe zu entschärfen. 14 weitere wurden bei der Explosion verletzt, wie der Gouverneur der Provinz Badghis mitteilte. Wie die Bombe auf das Militärgelände gelangt war, blieb zunächst unbekannt.

Die Koran-Proteste gingen auch in anderen Teilen des Landes weiter: In der ostafghanischen Provinz Logar südlich von Kabul starb Medienberichten zufolge mindestens ein Demonstrant bei Zusammenstößen mit der Polizei.

In der östlichen Provinz Laghman versuchten Demonstranten, das Büro des Gouverneurs zu stürmen. «Sie warfen Steine auf die Polizei und das Büro des Gouverneurs», sagte ein Sprecher. «Dann wurden es gewalttätig, und wir versuchten, die Situation unter Kontrolle zu bringen.» Zwei Menschen wurden durch Schüsse verletzt, acht weitere durch Steinwürfe.

Seit Dienstag sind tausende Menschen in Afghanistan auf die Straße gegangen, um gegen die Verbrennung von Koran-Exemplaren auf der US-Basis Bagram zu protestieren. Mindestens 29 Menschen, darunter zwei US-Soldaten, wurden seither getötet. Die USA hatten die Koranverbrennung als Versehen bezeichnet, und Präsident Barack Obama hatte sich entschuldigt.