Sanaa (dpa) - Nach einjährigen Massenprotesten gegen Langzeitpräsident Ali Abdullah Salih hat der Jemen ein neues Staatsoberhaupt. Der Kompromisskandidat von bisheriger Regierung und Opposition, Abed Rabbo Mansur Hadi, legte am Samstag seinen Amtseid ab.

Er wird für eine Übergangszeit von zwei Jahren an der Spitze des krisengebeutelten Landes stehen. Die Ära Salih, der 33 Jahre an der Macht war, ist damit offiziell beendet - allerdings kam er angeblich rechtzeitig zur Vereidigung aus den USA zurück in seine Heimat.

Hadi rief seine Landsleute in der ersten Rede als Präsident auf, Streitigkeiten beizulegen und gemeinsam an einer besseren Zukunft zu arbeiten. «Die Wahlen haben Jemen von der Verzweiflung befreit und Hoffnung gegeben», sagte der bisherige Vize-Staatschef bei einer Zeremonie im Parlament in der Hauptstadt Sanaa. In einem nationalen Dialog wolle er über die anstehenden Aufgaben der neuen Regierung beraten, versprach er.

Bei den Wahlen am Dienstag hatte Hadi 99,8 Prozent der Stimmen bekommen. Er war allerdings auch als einziger Kandidat ohne Konkurrenten angetreten. Das hatten die bisherige Regierungspartei Allgemeiner Volkskongress und die wichtigsten Oppositionsparteien beschlossen, um einen friedlichen Übergang zu ermöglichen. Obwohl es daran Kritik gab und außerdem bewaffnete Gruppen wie die Al-Kaida und Separatistenbewegungen die Abstimmung massiv behinderten, lag die Beteiligung bei etwa 65 Prozent. In zwei Jahren soll es erneut Wahlen geben, bei denen mehrere Kandidaten antreten sollen.

Ex-Machthaber Salih soll laut Berichten der Sender Al-Arabija und CNN aus den USA in den Jemen zurückgekehrt sein, um an der Zeremonie teilzunehmen. Auf den aus der Vereidigung übertragenen Fernsehaufnahmen war er aber nicht zu sehen. Beobachter hatten mit neuen Spannungen gerechnet, falls der langjährige Herrscher sich bei den Feierlichkeiten zeige.

Salih war für eine medizinische Behandlung in die USA gereist. Er hatte bei einem Anschlag auf den Präsidentenpalast im Juni schwere Verletzungen erlitten. Im November kündigte der Präsident offiziell seinen Rückzug aus der Politik an. Im Gegenzug wurden ihm Immunität und Straffreiheit garantiert. Gegen diese Regelung laufen einige Gruppierungen im Jemen seit Monaten Sturm.

Die Proteste in dem Land hatten, motiviert vom Arabischen Frühling in Ägypten und Tunesien, im Januar 2011 begonnen. Tausende gingen auf die Straße und forderten Salihs Rücktritt. Die Nachricht vom Wahlsieg Hadis wurde am Freitag in mehreren Regionen mit Freude aufgenommen. In der einstigen Protesthochburg Tais feierten Gegner des Ex-Präsidenten den «ersten Freitag ohne Salih».