Warschau (dpa) - Zwischen Europas Topvereinen und dem Fußball-Weltverband FIFA ist der Konflikt um die Länderspiel-Termine neu entflammt.

Die Clubvereinigung ECA präsentierte am Dienstag auf ihrer Generalversammlung in Warschau eine gemeinsame Absichtserklärung mit der Europäischen Fußball-Union UEFA, die eine Abschaffung der August-Länderspiele und nur noch Doppel-Spieltage der Nationalmannschaften vorsieht. «Die Einigung mit der UEFA ist ein großer Durchbruch für den europäischen Vereinsfußball», sagte der ECA-Vorsitzende Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandschef des FC Bayern München. Er betonte jedoch: «Wir wollen gar nichts ohne die FIFA machen.»

Die FIFA aber sperrt sich gegen die Pläne. «Die Diskussionen mit dem FIFA-Präsidenten haben bislang zu keinem zufriedenstellenden Ergebnis geführt», räumte Rummenigge ein. Die FIFA konterte prompt. «Die FIFA ist überrascht von den jüngsten Aussagen der ECA», teilte der Weltverband in Zürich mit.

Die FIFA wies darauf hin, dass schon am 5. März eine Arbeitsgruppe eine möglichst einstimmige Lösung für den künftigen Rahmenterminkalender finden solle. Sowohl Rummenigge als auch ECA-Generalsekretär Michele Centenaro hätten jedoch die Einladung zu dem Treffen ausgeschlagen. Auch zu anderen Sitzungen seien die Vertreter der Club-Vereinigung nicht erschienen. «Dies macht es schwer, in den Gesprächen mit den europäischen Vereinen Fortschritte zu erzielen», schrieb die FIFA.

Die UEFA äußerte sich auf Nachfrage zunächst nicht zu dem Thema. Eine neue Spielplanregelung kann frühestens nach der WM 2014 greifen. Die Entscheidung muss die FIFA-Exekutive treffen. Rummenigge sagte, er habe gemeinsam mit UEFA-Präsident Michel Platini einen Brief an FIFA-Chef Joseph Blatter geschrieben. «Wir haben ihn eingeladen, dass er dieser Vereinbarung beitritt. Die Tür ist nicht zu», sagte der Bayern-Vorstandschef. «Wir haben immer die Pyramide im Fußball respektiert und der bedeutende, vielleicht der bedeutendste Teil dieser Pyramide ist die FIFA», erklärte Rummenigge.

Dennoch ist offen, ob die 201 Top-Clubs Europas und die UEFA tatsächlich die Abschaffung des August-Spieltags durchsetzen können. Insgesamt sollen künftig maximal neun Doppel-Spieltage innerhalb von zwei Jahren zulässig sein. Einzeln angesetzte Länderspiele wie die Partie der DFB-Auswahl in Bremen gegen Frankreich wären damit ausgeschlossen.

Eingewilligt hat die UEFA auch in höhere Entschädigungszahlungen für die Abstellung der Nationalspieler. Für die EM in Polen und der Ukraine sollten eigentlich insgesamt 55 Millionen Euro an die Vereine fließen. Dieser Betrag werde deutlich höher ausfallen, hieß es in der Mitteilung der ECA. Die tatsächliche Summe werde die UEFA am 22. März bei ihrem Kongress in Istanbul bekanntgeben. Für die EM 2016 werde der Betrag noch einmal erhöht.

Darüberhinaus werde die UEFA beginnend mit der EURO 2012 die Nationalspieler versichern, teilte die ECA mit. Ziel der Clubs ist es, dass künftig alle bei europäischen Vereinen spielenden Profis unabhängig von ihrer Herkunft von ihren Verbänden gegen Verletzungen im Nationaltrikot abgesichert sind. Bislang tragen die Clubs das finanzielle Hauptrisiko. «Ich danke der UEFA und besonders UEFA-Präsident Michael Platini aufrichtig im Namen aller europäischen Vereine», sagte Rummenigge.

Die gemeinsame Absichtserklärung von ECA und UEFA wird zum 1. Juni wirksam und läuft bis 30. Mai 2018. Gefordert wird darin auch, dass alle Kontinentalturniere am Saisonende bis Mitte Juli abgeschlossen sein sollen und Spieler pro Jahr nicht mehr als ein Turnier bestreiten.