Damaskus/Istanbul (dpa) - Die syrischen Regierungstruppen sollen am Dienstag mehr als 40 Menschen getötet haben. Das berichteten Revolutionsaktivisten. Ihren Angaben zufolge griff die Armee die Ortschaft Halfaja nordwestlich der Stadt Hama mit Artillerie an.

Mindestens 20 Menschen seien dabei ums Leben gekommen. Zahlreiche Opfer lägen noch unter den Trümmern ihrer Häuser.

Elf Tote soll es in dem seit mehr als drei Wochen belagerten Stadtteil Baba Amro in Homs gegeben haben. Sechs Angehörige einer Familie seien bei einer Razzia in Homs ermordet worden: Ein Mann und seine Ehefrau, drei Töchter und ein Sohn. Der in Homs verwundete britische Journalist Paul Conroy konnte inzwischen außer Landes geschmuggelt werden.

Etwa 30 Studenten wurden laut Aktivisten in der Universität von Damaskus festgenommen. Vor der Universität von Aleppo hätten die Truppen des Regimes auf Studenten geschossen, die den Sturz des Regimes und die Hinrichtung von Präsident Baschar al-Assad gefordert hätten.

Die Organisation Syrischer Menschenrechtsbeobachter meldete, fünf Soldaten seien bei einem Gefecht mit einem Trupp von Deserteuren in Dael (Provinz Daraa) getötet worden. Drei weitere Soldaten und mehrere Deserteure hätten Verletzungen erlitten. Ein Angriff der Armee wurde aus der Ortschaft Dschabal al-Sawija in der Provinz Idlib gemeldet, in der sich viele Deserteure aufhalten.

Die staatliche Nachrichtenagentur Sana meldete, am Vortag seien 16 Angehörige der Armee und der Sicherheitsbehörden zu Grabe getragen worden. Diese seien von «bewaffneten Terrorbanden» getötet worden. Wegen der Medienblockade durch das Regime lassen sich viele Angaben zur Gewalt in Syrien nicht überprüfen. Nach Angaben der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton sind in Syrien seit Beginn der Unruhen bereits mehr als 8300 Menschen getötet worden.

Laut einem Bericht der Agentur Sana ist die neue Verfassung, über die am Sonntag abgestimmt wurde, bereits in Kraft getreten. Sie beendet die verfassungsrechtlich verankerte Vormachtstellung der seit Jahrzehnten regierenden Baath-Partei.

Der in Homs verwundete britische Journalist Conroy wurde inzwischen außer Landes gebracht. Er befinde sich gegenwärtig in Beirut, der Hauptstadt des Nachbarlandes Libanon, sagte sein Vater Les Conroy am Dienstag der britischen Nachrichtenagentur PA. Er bestätigte damit Informationen libanesischer Aktivisten. Auch die ebenfalls in Syrien verletzte französische Journalistin Edith Bouvier sei außer Landes und in Sicherheit, berichtete PA.

Der Brite Conroy leidet nach eigenen Angaben auf einem via You Tube verbreiteten Video an drei Wunden in den Beinen und einer Wunde im Bauchbereich, die ihm ein Granatsplitter zugefügt habe. Er war gemeinsam mit der amerikanischen «Sunday-Times»-Kriegsreporterin Marie Colvin und dem französischen Fotografen Remi Ochlik in einen Artillerieangriff geraten. Colvin und Ochlik starben.

Video bei Youtube

UN-Expertenbericht zu Syrien