New York (dpa) - Mehr als 7500 Menschen sollen durch die seit fast einem Jahr anhaltende Gewalt in Syrien getötet worden sein. «Wir können keine genauen Opferzahlen nennen», sagte Untergeneralsekretär Lynn Pascoe am Dienstag vor dem UN-Sicherheitsrat in New York.

«Aber nach zuverlässigen Berichten gibt es bis zu 100 Tote am Tag, viele von ihnen Frauen und Kinder. Insgesamt liegt die Opferzahl mittlerweile sicher bei mehr als 7500 Toten.»

Nach Angaben von Beobachtern gibt es «weitreichende, systematische und erhebliche Verletzung der Menschenrechte durch das Regime, auch Verbrechen gegen die Menschlichkeit». «Und alles geschieht mit Wissen der obersten Führung», sagt Pascoe.

Die Proteste der Opposition seien zum größten Teil friedlich. «Aber das unverhältnismäßig harte Vorgehen der Regierung mit schweren Waffen hat einige zu bewaffneten Aktionen getrieben. Ihre Gegenwehr ist aber minimal im Vergleich zur Feuerkraft des Regimes.» Pascoe räumte ein, dass einige Extremisten die Situation für terroristische Anschläge genutzt hätten, insbesondere in der Hauptstadt Damaskus.

Der deutsche UN-Botschafter Peter Wittig schloss einen erneuten Anlauf für eine Resolution des Sicherheitsrates nicht aus: «Wir können nicht einfach zugucken, wie sich die humanitäre Situation so dramatisch verschlechtert.» Es komme jetzt darauf an auszuloten, ob sich der Rat auf eine gemeinsame Haltung «zumindest hinsichtlich eines Endes der Gewalt und eines humanitären Zugangs» verständigen könne. Daran wolle man arbeiten.

Im Sicherheitsrat sind bereits zwei Resolutionen, mit denen die Gewalt des syrischen Regimes verurteilt werden sollte, gescheitert. Obwohl das Papier keinerlei Sanktionen erhielt, blockierten Russland und China jede Kritik an ihrem Waffenkunden, zuletzt vor einem Monat mit einem Doppelveto gegen die Zustimmung aller anderen 13 Ratsmitglieder.

Die internationale Gemeinschaft habe versagt, sagte Pascoe in Anspielung auf die fehlende Reaktion des von Russland und China gelähmten Sicherheitsrates. «Das hat das Regime ermutigt, noch brutaler gegen das eigene Volk vorzugehen.» Die Forderungen der Welt an Damaskus seien aber klar: «Das Ausbluten Syriens muss aufhören. Das Land braucht wirkliche Reformen.»

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