Rom/Hamburg (dpa) - Nach der Havarie der «Costa Concordia» ist wieder ein Kreuzfahrtschiff der verantwortlichen Reederei in Seenot geraten. Durch einen Brand im Maschinenraum der «Costa Allegra» auf dem Weg nach Madagaskar im Indischen Ozean wurde am Montag zwar niemand verletzt.

Die über tausend Menschen an Bord mussten sich aber auf eine außerplanmäßige Abschlepptour zu den Seychellen einstellen. Ein französischer Hochsee-Fischtrawler und zwei Schlepper sollen die manövrierunfähige «Costa Allegra» direkt zur Seychellen-Hauptinsel Mahé im Indischen Ozean ziehen. Die Schlepper hätten das italienische Schiff erreicht und könnten es nun rascher dorthin bringen, teilte die Genueser Reederei Costa Crociere am Dienstag mit. Die «Costa Allegra» dürfte nach den Angaben am Donnerstagvormittag (Ortszeit) in Mahé ankommen. An Bord sind mehr als 1000 Menschen, darunter über 600 Passagiere.

Ursprünglich sollte die nach einem Feuer im Maschinenraum fahruntüchtige «Costa Allegra» zu der näher gelegenen Insel Desroches geschleppt werden. Eine Überprüfung habe jedoch ergeben, dass die dortigen Sicherheitsbedingungen für das Anlegen und die Ausschiffung nicht gegeben seien. Auch reichten die Unterkünfte auf der Insel nicht aus, erklärte die Reederei.

Unterdessen wird für die Menschen an Bord gesorgt: Helikopter bringen Nahrung, Taschenlampen und andere notwendige Ausrüstung für die «Costa Allegra». Die Wetterbedingungen seien gut. Durch den Brand war auf dem Schiff der Strom ausgefallen.

Die «Costa Allegra» hatte am Montag während der Fahrt von Madagaskar Hilfe angefordert. Nach Angaben der Reederei Costa Crociere sind 1049 Menschen an Bord, darunter 636 Passagiere aus 25 Ländern. Dabei sind 38 Deutsche, 90 Schweizer, 97 Österreicher, 127 Franzosen und 135 Italiener.

«Allen geht es gut, es ist nichts passiert», sagte der Sprecher der deutschen Tochtergesellschaft von Costa Kreuzfahrten, Werner Claasen, am Dienstag. Alle Familienangehörige der Passagiere seien informiert worden. Nach Claasens Angaben war von dem Brand der Teil der Maschine betroffen, der den Strom für das Schiff produziert. Das Feuer sei schnell unter Kontrolle gebracht worden. «Das Feuer hat sich in keinen anderen Bereich des Schiffes ausgebreitet, es hat weder Verletzte noch Opfer gegeben», hieß es. Die Bordapparatur sei in Notbetrieb. Die Brandursache war zunächst unklar.

Ob viele Passagiere ihren Urlaub abbrechen oder nur unterbrechen, sei noch nicht klar, sagte Claasen. Die restliche Reisezeit wäre noch knapp zwei Wochen gewesen. Den Urlaubern sei angeboten worden, sie von Mahé sofort nach Hause zu bringen.

Die Reederei fährt seit rund sechs Wochen in schwierigen Wassern: In der Nacht zum 14. Januar war das Schiff «Costa Concordia» vor der toskanischen Küste auf einen Felsen gelaufen. Ursache war allem Anschein nach ein Manövrierfehler des Kapitäns. 25 Menschen starben bei der Katastrophe. Die Bergungsarbeiten dauern noch an - und immer wieder finden Taucher Leichen in dem Wrack.

Die 1992 umgebaute und damit ältere «Costa Allegra», früher ein Containerschiff, ist mit 28 600 Tonnen wesentlich kleiner als die vor der Insel Giglio havarierte «Concordia».

Der Aktienkurs der Costa-Muttergesellschaft Carnival lag am Dienstag im vorbörslichen New Yorker Handel um ein knappes Prozent im Minus. Am Vortag hatte das Unglück die Anleger aufgeschreckt und die Aktie zwischenzeitlich um 2 Prozent fallen lassen. Das Papier der weltgrößten Kreuzfahrt-Reederei hatte sich bis zum Abend aber wieder gefangen und war fast unverändert aus dem Handel gegangen.