Frankfurt/Main (dpa) - Am Frankfurter Flughafen droht der völlige Stillstand. Die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) hat am größten deutschen Drehkreuz die Towerlotsen zu einem Unterstützungsstreik für die streikenden Vorfeldleute aufgerufen.

Im eskalierenden Tarifstreit haben der Frankfurter Betreiber Fraport und die Lufthansa ein Gericht zu Hilfe gerufen. Und auch auf den Berliner Flughäfen sind in den nächsten Tagen spontane Warnstreiks möglich. Die Gewerkschaft Verdi will kurzfristig zu spontanen Arbeitsniederlegungen in Tegel und Schönefeld aufrufen. Hintergrund ist hier ein Tarifkonflikt bei Mitarbeitern in der Passagier- und Gepäckabfertigung.

Die GdF hat die etwa zehn Frankfurter Lotsen der Frühschicht vom Mittwoch zu einer sechsstündigen Arbeitsniederlegung aufgerufen. Mit dem Solidaritätsstreik der Beschäftigten der bundeseigenen Deutschen Flugsicherung (DFS) soll der Druck im Tarifkonflikt um die rund 200 Mitarbeiter auf dem Vorfeld des größten deutschen Flughafens erhöht werden. Die GdF hat bei der Flugsicherung einen sehr hohen Organisationsgrad, so dass mit einer weitgehenden Beteiligung der Lotsen zu rechnen ist.

Der Flughafenbetreiber Fraport und die Lufthansa wollen den Lotsenstreik gerichtlich verbieten lassen. Man werde noch am Dienstag beim Arbeitsgericht Frankfurt eine einstweilige Verfügung gegen den Streik beantragen, erklärte Fraport-Sprecher Jürgen Harrer. Dort bereits eingetroffen ist ein Antrag gegen den Ursprungsstreik auf dem Vorfeld, über den aber erst am Mittwoch verhandelt werden soll.

Ein Lotsenstreik am Tower würde den Flugverkehr am größten deutschen Drehkreuz nach Fraport-Einschätzung unmöglich machen. Das Vorgehen der GdF sei völlig unverhältnismäßig, zumal man sich für die meisten der streikenden Mitarbeiter vom Vorfeld bereits einig gewesen sei, erklärte der Fraport-Sprecher. Nun solle für die tarifliche Eingruppierung von 80 Flugzeugeinweisern der internationale Luftverkehr massiv beeinträchtigt werden.

«Es kann nicht sein, dass die Deutsche Flugsicherung, die ein zu 100 Prozent im Bundesbesitz befindliches Unternehmen ist und ein vom Staat garantiertes Monopol ausübt, von der GdF in einen privatrechtlichen Tarifstreit hinein gezogen wird. Dies ist eine zunehmende Unverhältnismäßigkeit des Ausstands», erklärte der Arbeitsdirektor der Fraport AG, Herbert Mai. «Die GdF-Führung will hier einen Flächenbrand entfachen, der in keiner Weise gerechtfertigt ist». Die Flugsicherung appellierte an die Lotsen, die Arbeit nicht niederzulegen.

Die Verhältnismäßigkeit bleibe bei diesem Unterstützungsstreik gewahrt, betonte hingegen die Gewerkschaft. Sie wolle mit dem auf Frankfurt beschränkten Lotsenstreik nicht den Flugverkehr in ganz Deutschland lahmlegen. Das würde dem vom Bundesarbeitsgericht verlangten Grundsatz der Verhältnismäßigkeit widersprechen, sagte GdF-Sprecher Matthias Maas der Nachrichtenagentur dpa.

Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) verlangte vom Bund, den Lotsen den Streik zu untersagen. Sie seien Mitarbeiter des Bundesunternehmens DFS und übten hoheitliche Funktionen aus. «Deshalb sprengt ihre Beteiligung am Arbeitskampf der 200 Vorfeldarbeiter jeden Rahmen», erklärte BDL-Präsident Klaus-Peter Siegloch in Berlin. «Der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit wird hier auf den Kopf gestellt.»

Die Fluglotsen, die gerade erhebliche Gehaltsverbesserungen durchgesetzt hätten, könnten den gesamten Flugbetrieb in Frankfurt lahmlegen, so Siegloch - mit Konsequenzen für Flüge in ganz Europa und weltweit. «Das geht weit über den Millionenschaden hinaus, den der Streik der Vorfeldbeschäftigten schon bisher angerichtet hat.»

Die vorerst letzten Tarifgespräche zwischen dem Flughafen Frankfurt und der GdF über die Vorfeldbeschäftigten waren am vergangenen Freitag nach zwei Streikwellen gescheitert. Die Gewerkschaft fordert erhebliche Einkommenserhöhungen, höhere Zulagen und geringere Arbeitszeiten.

Erneut fielen am Dienstag zahlreiche Flüge am zentralen Drehkreuz aus. Seit Donnerstag vorvergangener Woche hat die GdF schon mehr als 1400 Flüge verhindert, war aber mit ihren Forderungen bislang nicht durchgedrungen. Fraport hatte mit Ersatzmannschaften einen immer größeren Teil der Flüge am größten deutschen Drehkreuz aufrechterhalten können.

Auch an den Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld drohen in den nächsten Tagen Ausfälle. Die Gewerkschaft Verdi kündigte Warnstreiks an. «Wir fangen nicht gleich mit der härtesten Keule an», sagte Verhandlungsführer Jens Gröger. «Aber es wird zum Warnstreik kommen.»

Hintergrund sind Tarifverhandlungen für die 1500 Beschäftigten des Dienstleisters Globeground. Sie kümmern sich an Deutschlands drittgrößtem Luftverkehrsstandort um die Passagier- und Gepäckabfertigung.

«Der Warnstreik wird nicht über Tage gehen, aber er wird ein Signal setzen», sagte Gröger. Der Ausstand werde sehr kurzfristig angekündigt, um es dem Arbeitgeber zu erschweren, Ersatzpersonal zu beschaffen.

Flughafen Frankfurt/Main

Liste der gestrichenen Lufthansa-Flüge