Barcelona (dpa) - Die Spannungen zwischen der Mobilfunk-Branche und EU-Regulierern sind auf dem Mobile World Congress in Barcelona offen zutage getreten.

Die zuständige Kommissarin Neelie Kroes reagierte in scharfen Worten auf Kritik von Vodafone-Chef Vittorio Colao, der Brüssel eine zu starke Belastung der Telekom-Industrie angesichts der aktuellen Wirtschaftslage vorwarf. Dazu gehöre der Druck auf Tarife für Roaming im EU-Ausland und Gespräche zwischen Netzen verschiedener Anbieter. Die Kommission sei in der Frage mit einem «vor 15 Jahren entwickelten Autopiloten» unterwegs.

«Nachricht an Vittorio und Vodafone: Ich lasse mir nichts vormachen und reagiere nicht gut auf Drohungen», konterte Kroes am Dienstag. Sie stehe auf der Seite der Vodafone-Kunden. «Wenn Verbraucher keine Angst mehr haben, ihre Smartphones und Tablets zu nutzen, wenn sie in Europa unterwegs sind, werden auch die Netzbetreiber davon profitieren.»

Die sogenannten Roaming-Gebühren, die zusätzlich beim Telefonieren in einem anderen Land anfallen, sind in Europa in den vergangenen Jahren angesichts des massiven Drucks aus Brüssel drastisch gesunken. Die Regulierer setzen auch beim Datenroaming und den Durchleitungs-Gebühren für die Vermittlung zwischen Netzen verschiedener Anbieter an.

Colao forderte in Barcelona am Montag ein Ende des Drucks auf die Preise, damit die Branche wieder mehr Geld investieren könne. Die Telekom-Konzerne beschweren sich, dass sie für viele Milliarden die Netze ausbauen, um immer mehr Datenverkehr umzuschlagen - und zugleich Einnahmenausfälle verdauen müssen.

Kroes-Erklärung