Moskau (dpa) - Verhalten bis ungläubig haben russische Medien und Experten auf das angeblich vereitelte Attentat auf den Präsidentschaftskandidaten Wladimir Putin (59) reagiert.

«Ein verhinderter Anschlag ist immer ein Geschenk für einen Bewerber», sagte der Politologe Gleb Pawlowski der Zeitung «Nowyje Iswestija».

Putins Sprecher Dmitri Peskow sagte dem Boulevardblatt «Komsomolskaja Prawda»: «Das zeigt, dass Putin Recht hat, wenn er sagt, der Kampf gegen Banditen dauere an.» Der Ex-Geheimdienstchef halte trotz der Attentatspläne wie geplant an seinen Terminen fest.

Am Vortag hatte der vom Kreml kontrollierte TV-Sender Erster Kanal berichtet, dass Islamisten auf Befehl des tschetschenischen Terrorchefs Doku Umarow nach der Abstimmung am 4. März Putin ermorden wollten. Ukrainische und russische Geheimdienste hätten die Männer bereits vor mehreren Wochen festgenommen. «Das sind Banditen», sagte Peskow über die Verdächtigen. Ebenso wie der Erste Kanal wies er Kritik von Putins Gegenkandidaten sowie der Opposition vor allem am Zeitpunkt der Veröffentlichung scharf zurück.

Die Zeitung «Moskowski Komsomolez» wies auf Ungereimtheiten in dem Fall hin. So fänden sich auf dem Computer eines Verdächtigen Fotos von belebten Plätzen der ukrainischen Schwarzmeerstadt Odessa, in der die mutmaßlichen Terroristen festgenommen wurden. «Warum sollten sie Einwohner der Stadt ermorden, die als Basis für viele Tschetschenen bekannt ist?»

Kremlnahe Experten hingegen verteidigten den Bericht und auch den Sendetermin. «Putin ist in der Rolle des Siegers, solche Spielchen hat er nicht nötig», sagte der Politologe Wjatscheslaw Nikonow. Regierungschef Putin gilt als aussichtsreichster Kandidat bei der Wahl am kommenden Sonntag.

Bericht des Staatsfernsehens