Wiesbaden (dpa) - Viele Beschäftigte in Deutschland können sich auf mehr Geld im Portemonnaie freuen. Die gute Konjunktur hat auch im zweiten Halbjahr 2011 höhere Tarifabschlüsse von drei Prozent und mehr in verschiedenen Branchen ermöglicht.

Dies teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden mit. Da die Teuerungsrate in Deutschland mit gut zwei Prozent darunter liegt, dürfte den Beschäftigten unter dem Strich mehr Geld bleiben. In der aktuellen Tarifrunde fordern Gewerkschaften zwischen 5 und 7 Prozent mehr Lohn für insgesamt rund 9,2 Millionen Beschäftigte.

Über eine kräftige Tariferhöhung von vier Prozent ab November 2011 konnten sich die Mitarbeiter in der holz- und kunststoffverarbeitenden Industrie freuen. In der Eisen- und Stahlindustrie gibt es seit Dezember 3,8 Prozent mehr. Bei wirtschaftlichen Schwierigkeiten können in einigen Branchen die Tariferhöhungen allerdings verschoben oder Einmalzahlungen gekürzt werden. Das betrifft unter anderem die westdeutsche Bekleidungs- und Textilindustrie und die Kautschukindustrie.

In einigen Branchen lag der Abschluss auch unter der aktuellen Teuerungsrate, die nach Einschätzung Beobachtern wegen der hohen Ölpreise auch in den kommen Monaten über 2 Prozent verharren dürfte. So erhalten die Beschäftigten der Druckindustrie, die seit Jahren in der Krise steckt, ab diesen August 2 Prozent mehr Geld. Für April 2011 bis Juli 2012 wurde eine einmalige Pauschale von 280 Euro vereinbart. Zeitungsredakteure bekommen 1,5 Prozent mehr ab Mai 2012 sowie eine einmalige Pauschale von 200 Euro.

Deutliche Lohnerhöhungen fordern die Gewerkschaften in der laufenden Tarifrunde. Sie argumentieren unter anderem, die Inflation habe die vergangenen Lohnsteigerungen zunichtegemacht. Insgesamt laufen in diesem Jahr nach Angaben des WSI-Tarifarchivs der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung die Einkommenstarifverträge rund 9,1 Millionen Beschäftigte aus.

So verlangen die Gewerkschaft Verdi und die Tarifunion des Beamtenbundes 6,5 Prozent mehr Geld - mindestens aber 200 Euro für die rund zwei Millionen Tarifbeschäftigen bei Bund und Kommunen. Die Gespräche begannen am Donnerstag. Mit einer Forderung von 6 Prozent ist Verdi in die Verhandlungen mit den privaten und öffentlichen Banken gegangen.

Für die rund 3,6 Millionen Beschäftigten der wichtigsten Industriesparte Metall und Elektro beginnen in der kommenden Woche die Gespräche. Die IG Metall fordert 6,5 Prozent mehr Geld.

In der Chemieindustrie sollen nach der Forderung der Gewerkschaft IG BCE die Löhne um 6 Prozent steigen. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten fordert 5 bis 6 Prozent für die Beschäftigten der Branche. Tarifverhandlungen stehen auch bei Konzernen wie Volkswagen oder der Telekom an.

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