Berlin (dpa) - Eine neue Studie über junge Muslime in Deutschland sorgt bereits vor ihrer Veröffentlichung für Diskussion. Die hohe Zahl nicht integrierter und auch nicht integrationswilliger Muslime sei «erschreckend», sagte der innenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Hans-Peter Uhl.

«Diese Integrationsverweigerung muss nicht, aber kann den Nährboden für religiösen Fanatismus und Terrorismus darstellen», warnte er in der «Neuen Osnabrücker Zeitung».

Aus der Studie im Auftrag des Bundesinnenministeriums (BMI), die heute veröffentlicht werden soll, geht hervor, dass ein Viertel der Muslime zwischen 14 und 32 Jahren, die keinen deutschen Pass haben, nicht bereit ist, sich zu integrieren. Sie könnten bezeichnet werden als streng religiös, «mit starken Abneigungen gegenüber dem Westen, tendenzieller Gewaltakzeptanz und ohne Integrationstendenz», heißt es in der Untersuchung.

Dazu sagte Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) der «Bild»-Zeitung: «Deutschland achtet die Herkunft und kulturelle Identität seiner Zuwanderer. Aber wir akzeptieren nicht den Import autoritärer, antidemokratischer und religiös-fanatischer Ansichten. Wer Freiheit und Demokratie bekämpft, wird hier keine Zukunft haben.»

Kritik an der Studie kam aus der FDP. «Ich muss mich schon wundern, dass das BMI erneut Steuergelder darauf verwendet, eine Studie zu finanzieren, die Schlagzeilen produziert, aber keinerlei Erkenntnisse», sagte der integrationspolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Serkan Tören, der «Neuen Osnabrücker Zeitung».

Das religiöse Bekenntnis vieler junger Muslime sei oft nur «eine leere Hülse», die nicht mit gelebter Religion einhergehe, sondern «Provokation und kulturelle Abgrenzung» sein wolle, sagte der türkischstämmige Politiker. «Religiosität und Gewalt sind kein Automatismus, das beweisen andere Studien und meine persönliche Erfahrung.»

Der Jenaer Psychologe Wolfgang Frindte, der maßgeblich an der Untersuchung war, sagte der Nachrichtenagentur dpa, die Zahlen seien für ihn nicht überraschend. Würden auch die Eltern- und Großelterngenerationen einbezogen, zeige sich, dass der Anteil radikaler Einstellungen sinke und sich die Muslime deutlich vom islamistischen Terrorismus distanzierten.

Zum Islam bekennen sich in Deutschland nach Angaben des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge schätzungsweise vier Millionen Menschen. Knapp die Hälfte von ihnen hat die deutsche Staatsbürgerschaft. Für die Studie «Lebenswelten junger Muslime in Deutschland» wurden 700 junge deutsche und nichtdeutsche Muslime telefonisch befragt. Zudem wurden 692 Fernsehbeiträge aus Nachrichtensendungen analysiert.