Ruhpolding (dpa) - Bei der Blumenzeremonie konnte Arnd Peiffer über WM-Bronze schon wieder lächeln. Zumindest ein bisschen. Nur Minuten vorher wäre der Pechvogel der deutschen Mixed-Staffel am liebsten erst einmal in den Katakomben der ChiemgauArena verschwunden, um einen Moment allein zu sein.

«Wenn man so nah an Gold dran ist, dann tut es schon weh. Ich ärgere mich über mein letztes Schießen. Die anderen haben so toll vorgelegt», sagte Peiffer, Schlussläufer der deutschen Biathleten beim Auftakt der Heim-WM in Ruhpolding.

Den Titel in der gemischten Staffel verteidigte Norwegen, obwohl Schlussläufer Emil Hegle Svendsen hinter Sloweniens Jakov Fak nur als Zweiter ins Ziel kam. Da aber der nun 17-malige Weltmeister Ole Einar Björndalen bei seinem stehenden Schießen aufgrund eines technischen Defekts der Schießanlage eine unberechtigte Strafrunde lief, bekamen die Norweger nach einer Juryentscheidung eine Zeitgutschrift von 28,5 Sekunden. «Das war ein verrücktes Rennen. Es ist kein schönes Gefühl, wenn man Weltmeister ist und nicht als Erster ins Ziel läuft», sagte Björndalen.

Mit drei Nachladern und einer Strafrunde beim letzten Schießen gab Peiffer den schon sicher geglaubten Sieg noch aus der Hand. Am Ende freuten sich Andrea Henkel, Magdalena Neuner, Andreas Birnbacher und auch Peiffer trotzdem über Rang drei. «Wir haben nicht Gold verloren, sondern Bronze gewonnen», befand Andreas Birnbacher. Er und seine Kollegen hatten Peiffer unmittelbar nach dem Zieleinlauf in den Arm genommen und getröstet.

«Wir haben gesagt, Arnd super, wir haben Bronze gewonnen. Wir haben eine Medaille geschafft im eigenen Land, das ist schon prima», sagte Magdalena Neuner. Die Rekord-Weltmeisterin will bei jedem ihrer sechs WM-Starts eine Medaille gewinnen. «Ich bin froh, dass ich Magdalenas Medaillenziel nicht zerstört habe», sagte Peiffer.

In dieser Saison ist es schon die zweite Ergebniskorrektur nach Jury-Entscheid. In Nove Mesto hatte allerdings Peiffer davon profitiert, als er im Verfolgungsrennen ebenfalls eine Strafrunde zu viel lief und dann nach einer Zeitgutschrift vom fünften auf den zweiten Platz vorgerückt war.

Bei strahlendem Sonnenschein und vor knapp 30 000 Zuschauern in der schicken ChiemgauArena sah alles nach einem goldenen WM-Auftakt für die deutschen Skijäger aus. Andrea Henkel Magdalena Neuner und der überragende Birnbacher hatten einen riesigen Vorsprung von über einer Minute herausgelaufen. Und auch Peiffer blieb cool, bis zum letzten Schießen. Doch dann blieb Scheibe um Scheibe stehen, die Fans wie die Trainer stöhnten gleichermaßen auf.

«Mir hat die Sonne voll ins Visier geschienen. Ich hätte auch fünf Fehler schießen können, das war reine Glückssache. Aber trotzdem ist es schön, mit einer Medaille in die WM zu starten», erklärte Peiffer. Auch Bundestrainer Uwe Müssiggang war zufrieden: «Wenn man so weit vorne liegt, liebäugelt man natürlich mit Gold. Aber wir haben die erwünschte Medaille und das gibt uns Selbstvertrauen.»

Müssiggang machte am Schießstand stehend ein Foto, als Andrea Henkel an ihm vorbeilief. Insgesamt dreimal musste die Doppel-Olympiasiegerin nachladen, hatte einen riesigen Rückstand auf Tora Berger. «So richtig zufrieden bin ich nicht. Heute war ich tatsächlich ein bisschen aufgeregt, das kenne ich gar nicht von mir», sagte sie.

Mit einem Rückstand von 46,3 Sekunden auf die zu diesem Zeitpunkt führenden Norweger begann dann für Magdalena Neuner ihre letzte WM. Die Rekord-Weltmeisterin lief taktisch klug, arbeitete am Schießstand trotz ihrer drei Nachlader hochkonzentriert. Mit einem Rückstand von lediglich 7,2 Sekunden auf die zwischenzeitlich führenden Franzosen übergab die 25-Jährige als Zweite an Birnbacher. «Ich hatte Gänsehaut als ich ins Stadion lief. Ein bisschen Zittern war da schon dabei. Aber ich glaube, ich habe es ganz gut gelöst», sagte die 25-Jährige.

Und Birnbacher präsentierte sich einmal mehr bärenstark, schnell in der Loipe und fehlerfrei am Schießstand. «Mit meinem Schießen war ich super zufrieden. Auf der Schlussrunde war schon ein bisschen blau, aber den anderen ist es auch nicht anders gegangen», erzählte der Schlechinger.

Stunden vor dem Start war die butterweiche Strecke mit 110 Kilogramm Brezel-Salz gehärtet worden. Mit dem Salz wurde dem Schnee das Wasser entzogen. «Das ist kein Problem, die Bedingungen sind für alle gleich», sagte Müssiggang.