Frankfurt/Main (dpa) - Topfavorit Spanien und Vize-Weltmeister Niederlande haben 100 Tage vor EM-Beginn Duftmarken gesetzt, für den Rest bleibt bis zum Start der Europameisterschaft in Polen und der Ukraine dagegen noch jede Menge Arbeit.

Auch die deutschen Gruppengegner zeigten mit Ausnahme der Holländer mehr Schatten als Licht. Dänemark präsentierte sich beim 0:2 gegen Russland erschreckend schwach, Portugal wusste beim 0:0 zur Einweihung des Eröffnungsspielstadions in Warschau gegen Mitausrichter Polen ebenfalls nur in Ansätzen zu überzeugen.

Superstar Cristiano Ronaldo nutzte den Trip in die polnische Hauptstadt dennoch zu einer Kampfansage. «Portugal fährt mit der Ambition zur Euro, sie zu gewinnen», sagte der Stürmer von Real Madrid. «Wir wissen, dass das eine schwierige Aufgabe wird und dass wir sie Schritt für Schritt angehen müssen. Aber nichts ist unmöglich», meinte der Dribbelkünstler, der in Warschau allerdings blass blieb. «Keiner der Spieler wird in die Geschichte der Arena eingehen», kommentierte das portugiesische Sportblatt «O Jogo» das müde 0:0.

Wie in besten Zeiten strahlte dafür der Stern von Arjen Robben. Der beim FC Bayern München umstrittene Flügelflitzer führte das Oranje-Team im Fußball-Tempel von Wembley mit seinen beiden Treffern zum 3:2-Sieg gegen England und beendete damit die Mini-Krise der Elftal von drei Spielen ohne Sieg. «Ich weiß nicht, ob sie mein Match in Deutschland gesehen haben. Falls nicht, bringe ich ihnen eine DVD mit», sagte Robben nicht ohne Genugtuung.

Nach seinem Traumtor zum Sieg in der Nachspielzeit verbeugte sich der Flügelflitzer zunächst vor den mitgereisten Oranje-Fans, dann klatschte er Bondscoach Bert van Marwijk mit einem breiten Grinsen im Gesicht ab. Klaas-Jan Huntelaar war das Lachen trotz seines Treffers zum 2:0 dagegen vergangen. Bei seinem Tor rasselten der Angreifer vom FC Schalke 04 und Englands Verteidiger Chris Smalling mit den Köpfen zusammen und mussten ausgewechselt werden. Der Verdacht auf Gehirnerschütterung bestätigte sich bei Huntelaar aber nicht, mit Brummschädel trat der Torjäger die Heimreise an.

Kopfzerbrechen bereitete die Vorstellung seines Teams Dänemarks Trainer Morten Olsen. Beim 0:2 gegen EM-Teilnehmer Russland lief bei den Skandinaviern, am 17. Juni in Lwiw letzter Vorrundengegner der DFB-Elf, fast nichts zusammen. Keeper Thomas Sörensen hatte in seinem 100. Länderspiel einen rabenschwarzen Tag erwischt und patzte bei beiden Gegentreffern. «Aber besser jetzt als später», sagte der 35 Jahre alte Routinier vom englischen Club Stoke City. «Wir haben noch genügend Zeit, bei der Euro wird das alles ganz anders aussehen.»

Beginnen könnte die EM dagegen bereits für Titelverteidiger Spanien. Gegen Venezuela schossen sich die Iberer beim 5:0 den Frust der zuletzt etwas enttäuschenderen Leistungen von der Seele. Mann des Tages war Dreifach-Torschütze Roberto Soldado. Eigentlich längst ausgemustert setzte der «Soldat» der spanischen Stürmer-Misere ein völlig unerwartetes Ende.

In Italien schrillen dagegen wieder einmal die Alarmglocken. Gegen die vom früheren Bundestrainer Jürgen Klinsmann trainierten USA verlor die Squadra Azzurra 0:1. Auch Kroatien erhielt mit dem 1:3 gegen starke Schweden einen Dämpfer. Selbstvertrauen tankte dagegen die Ukraine. Der Mit-Ausrichter siegte in Israel mit 3:2 und weckte bei den Landsleuten Hoffnungen auf einen positiven Turnierverlauf. Giovanni Trapattoni kam mit Irland gegen Tschechien nur zu einem 1:1, Griechenland musste sich gegen Belgien mit dem gleichen Resultat begnügen.