Bremen (dpa) - Mit besorgter Miene begleitete DFB-Arzt Hans -Wilhelm Müller-Wohlfahrt einen humpelnden Franck Ribéry durch den Kabinentrakt im Weserstadion. «Ça va, ça va», versicherte der Franzose immer wieder und fasste sich dabei an den malträtierten linken Oberschenkel, «es geht, es geht.»

Angeschlagen verabschiedete sich Ribéry nach dem 2:1-Prestigeerfolg von seinen «Équipe»-Kollegen, aß im deutschen Quartier im Bremer Bürgerpark mit dem Team von Joachim Löw zu Abend und reiste dann per Mini-Van zum FC Bayern nach Köln.

Dort gab Münchens Trainer Jupp Heynckes für die Partie am Samstag bei Bayer Leverkusen leise Entwarnung. Er gehe davon aus, dass der zuletzt im Club überragende Ribéry rechtzeitig fit werde. Beim Nationalteam bleibt der Flügelflitzer jedoch selbst in den so seltenen französischen Gala-Momenten vom Unglück verfolgt und wurde in der Pause lahmgelegt. «Wir wollten kein Risiko eingehen, er konnte zur Halbzeit kaum mehr laufen», berichtete Frankreichs Trainer Laurent Blanc und schickte gute Wünsche mit auf die Reise. «Wir hoffen auf schnelle Genesung, dass er ein gutes Saisonfinale bei seinem Verein erlebt.»

Mit Blick auf den Endspurt stockte den Münchner Bossen schon nach knapp drei Minuten der Atem, als Ribéry mit Marco Reus zusammenrasselte und einen «Pferdekuss» (Blanc) kassierte. Nachdem sich die Wolke des zur Behandlung reichlich versprühten Eis-Sprays verzogen hatte, bewegte sich der 28-Jährige zwar bemüht, aber unrund über den Rasen und blieb im 21. Länderspiel in Serie ohne Treffer.

Dennoch priesen die Teamkollegen seinen immensen Wert für das auf schnelles Umschalten angelegte französische Offensivspiel. «Franck ist ein wahnsinnig wichtiger Spieler für uns», meinte Tottenhams Louis Saha, «selbst wenn er mal nicht so in die Partie findet, ist er mit seiner Schnelligkeit immer eine Bedrohung.»

Mit der gezeigten Kombination aus beeindruckender Physis und taktischer Disziplin würde die Équipe Tricolore auch bei der Euro zur Gefahr für die Favoriten. «Die Mannschaft ist individuell sehr, sehr gut», lobte Bundestrainer Löw, der sich einer perfekten Kopie des von ihm propagierten Spielstils gegenübersah. «Aber jetzt haben sie es geschafft, ein Team zu sein.»

Mit Siegen über Brasilien (1:0), England (2:1) und nun Titel- Kandidat Deutschland steigt Frankreich langsam wieder in den Kreis der Fußball-Mächte und poliert das angekratzte Selbstbild auf. «Ein Sieg gegen eine große Nation ist immer eine gute Empfehlung», sagte Saha, «mit so einer Leistung ist bei der Euro alles möglich.» «Anwärter!», titelte «L'Équipe» nach dem 18. Spiel ohne Niederlage durch die Treffer des durchsetzungsstarken Stoßstürmers Olivier Giroud (21. Minute) und Florent Malouda (69.). «Die Blauen machen sich eine Freude. Das war gut fürs Selbstvertrauen.»

Auch wenn Giroud wegen seines Premierentors vor Glück «explodieren» wollte, legten sich die Franzosen Zurückhaltung auf. «Wir können uns freuen, wollen aber nicht euphorisch sein», sagte Torwart Hugo Lloris. Die eigene Erfahrung nach zwei Großturnieren ohne Sieg lehrt Demut: «Wir wissen, dass noch viel Arbeit vor uns liegt, damit wir den Fortschritt bestätigen und solche Erfolge auch mal in Punktspielen wiederholen», warnte Blanc, «da drückt ein bisschen der Schuh.»