Madrid (dpa) - Spanien hat wieder einen Mittelstürmer und Fußball-Nationaltrainer Vicente del Bosque eine Sorge weniger. Der eigentlich schon abgeschriebene Roberto Soldado schoss den Welt- und Europameister mit einem Hattrick zum berauschenden 5:0 (2:0)-Sieg über Venezuela.

Der Stürmer des FC Valencia war eigentlich nur als Notnagel in die Nationalelf berufen worden: David Villa fällt wegen seines Beinbruchs vorerst aus, und Fernando Torres war wegen seiner anhaltenden Formschwäche erstmals seit sechs Jahren gar nicht erst in den Kader berufen worden.

Der schießfreudige Soldado, dessen Name auf Deutsch «Soldat» bedeutet, setzte gut drei Monate vor der EM mit seinem Dreierpack der Stürmer-Misere beim Titelverteidiger ein plötzliches Ende. Nach der Partie am Mittwochabend in Málaga überreichte die Selección dem Dreifach-Schützen den Spielball mit den Unterschriften aller Teamkameraden. Regisseur Xabi Alonso fügte noch eine besondere Widmung hinzu: «Hier hast Du das Ticket zur EM.»

Die Position des Mittelstürmers war bislang die größte Sorge von Del Bosque gewesen: Bei Villa (FC Barcelona) ist nicht sicher, ob er nach seinem Schienbeinbruch rechtzeitig zur EM fit sein wird, Torres (FC Chelsea) hatte schon bei der WM 2010 enttäuscht und ist in seiner Club-Elf zuweilen nur zweite Wahl. Fernando Llorente (Athletic Bilbao) und Alvaro Negredo (FC Sevilla) gelten als gute Einwechselspieler, sind für die Stammelf aber eher nicht vorgesehen. Del Bosque erwog gar, Spanien ohne echte Spitze spielen zu lassen.

Soldado stand in der Liste der Kandidaten für die Nummer 9 in der Nationalelf nur auf dem fünften Rang, hinter Villa, Torres, Llorente und Negredo. «Nun ist er in der Pole Position», titelte das Sportblatt «As». Der 26-Jährige benötigte für den Dreierpack nur 45 Minuten, denn er war erst zur zweiten Halbzeit eingewechselt worden. Beinahe hätte er noch einen vierten Treffer erzielt, aber bei einem Elfmeter scheiterte er an Torwart Dani Hernández.

Del Bosque wollte Soldado allerdings noch kein Ticket zur EM ausstellen. «Es wäre ungerecht, Vergleiche zwischen den Stürmern anzustellen», sagte der Trainer. Soldado, ein gebürtiger Valencianer, war aus dem Nachwuchs von Real Madrid hervorgegangen. Die «Königlichen» betrachteten ihn aber für die erste Mannschaft als nicht gut genug. So gelangte der Stürmer über den FC Getafe zurück in seine Heimatstadt. In der Nationalelf war er zuletzt vor fünf Jahren zu zwei Einsätzen gekommen.