Berlin (dpa) - Eine Spitzenrunde von Bundesregierung, Koalition und Opposition ist zu Beratungen über eine Reform der Organspende in Deutschland zusammengekommen. Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) geht von einem Durchbruch aus.

«Ich erwarte ein gutes Ergebnis, damit sich mehr Menschen für die Organspende entscheiden», sagte Bahr unmittelbar vor dem Treffen am Donnerstag der Nachrichtenagentur dpa in Berlin. Von anderer Seite verlautete, es sei auch denkbar, dass es nicht zu dem angestrebten gemeinsamen Gruppenantrag komme.

Jeder Erwachsene soll künftig regelmäßig gefragt werden, ob er zur Organspende bereit ist. Die Menschen sollen «Ja», «Nein» oder «Ich weiß nicht» antworten können. So weit herrscht seit einer Einigung vom November Einigkeit zwischen den Beteiligten. Strittig war, ob die Krankenkassen die Antwort künftig auf der Gesundheitskarte speichern dürfen oder ob nur die Versicherten dies selbst dort eintragen lassen dürfen.

Neben den Gesundheitspolitikern nahmen auch Fraktionsvorsitzende an dem Treffen teil. Der Grünen-Gesundheitsexperte Harald Terpe sagte der dpa auf die Frage, ob es eine Einigung geben werde: «Ich denke schon.» Vor allem die Grünen sperren sich gegen ein Recht der Krankenkassen, die Informationen auf die Gesundheitskarte zu schreiben. Denn dann wüssten die Kassen auch über die Haltung der Versicherten Bescheid. SPD und Union haben damit kein Problem.

Offen war zuletzt auch noch gewesen, ob man die Aufforderung zu einer Erklärung einfach weglegen kann, ohne überhaupt zu reagieren.

Heute müssen die Menschen ihre Bereitschaft zur Spende aus eigener Initiative erklären - per Organspendeausweis oder gegenüber den Angehörigen. Fast 70 Prozent der Menschen sind laut Umfragen bereit, nach ihrem Tod Organe oder Gewebe zu spenden. Aber nur weniger als 20 Prozent haben ihre Entscheidung in einem Spendeausweis dokumentiert. Rund 12 000 Kranke warten verzweifelt auf ein Organ - die meisten bisher vergebens.

Im vergangenen Jahr sank die Zahl der Organspenden wieder deutlich. Nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation spendeten 1200 Menschen nach ihrem Tod Organe, 7,4 Prozent weniger als im Vorjahr.

Position Bahrs vom Juli

Expertenmeinung

Organspendeausweis

Stiftung Organtransplantation

Kauder-Steinmeier-Vorstoß

Forderung der Länder

Antrag 1997

Kampagne für Organspende