Damaskus/Istanbul (dpa) - Die syrische Armee hat nach Angaben von Regimegegnern mit der Erstürmung des Viertels Baba Amro in der Stadt Homs begonnen. Die Aktivisten berichteten von Artillerieangriffen. Die Armee habe Panzer rund um das Viertel in Stellung gebracht.

Dabei sei es zu Gefechten zwischen den angreifenden Truppen und Deserteuren der Freien Syrischen Armee gekommen. Baba Amro steht seit mehr als drei Wochen unter Dauerbeschuss. Das Viertel gehört zu den Hochburgen der Gegner von Präsident Baschar al-Assad.

Der Nachrichtensender Al-Arabija meldete am Nachmittag, die Freie Syrische Armee habe ihren Rückzug aus dem Viertel «aus strategischen Gründen» beschlossen. Die Deserteure hätten nicht genügend Waffen und Munition hieß es.

Die staatliche Nachrichtenagentur Sana meldete, in einem Krankenhaus in Homs sei am Mittwoch ein Krankenpfleger von «bewaffneten Terroristen» getötet worden. An der türkisch-syrischen Grenze hätten sich Grenzwächter ein Gefecht mit «bewaffneten Terroristen» geliefert, die angeblich Waffen aus der Türkei ins Land bringen wollten. Wegen der Medienblockade durch die Regierung sind Berichte aus Syrien oft nicht zu überprüfen.

Die Bewohner der belagerten Stadt Homs müssen nach Angaben von Aktivisten unterdessen Schnee sammeln, um Trinkwasser zu gewinnen. Nach der Unterbrechung der Wasserversorgung hätten die Menschen damit begonnen, Schnee zu sammeln. Die Regimegegner veröffentlichten im Internet Videoaufnahmen, die zeigen, wie Menschen auf der Straße Töpfe aufstellen, um darin Schneeflocken aufzufangen.

In Syrien gibt es schon seit mehreren Tagen immer wieder Schneefälle, allerdings bleibt der Schnee meist nicht liegen. Die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana meldete am Donnerstag, eine «bewaffnete Terrorbande» habe ein Wasserwerk in Al-Kusair außerhalb von Homs angegriffen. Deshalb sei die Wasserversorgung in der Stadt unterbrochen. Die Angreifer hätten mehrere Wasserreservoirs geleert und Pumpen beschädigt.

Der UN-Menschenrechtsrat hat die Angriffe syrischer Regierungstruppen auf Zivilisten scharf verurteilt und den Haupttätern mit strafrechtlichen Konsequenzen gedroht. In einer am Donnerstag in Genf mit großer Mehrheit angenommenen Resolution wird die Führung in Damaskus aufgefordert, die Gewaltanwendung gegen die eigene Bevölkerung sofort zu beenden.

Dem Regime von Präsident Baschar al-Assad werden unter anderem willkürliche Hinrichtungen, die Tötung von Demonstranten, Menschenrechtsaktivisten und Journalisten, Folter, sexuelle Gewalt, Misshandlung von Kindern und sowie die Behinderung medizinischer Hilfe vorgeworfen.

Für die Resolution stimmten 37 der 47 Mitgliedstaaten des Rates, drei votierten dagegen, andere Staaten enthielten sich oder nahmen nicht teil. Russland, das vergeblich versucht hatte, die Syrien-Debatte zu verhindern, lehnte den Beschluss erwartungsgemäß ab. Auch China und Kuba stimmten mit Nein.

Der Vertreter Moskaus begründete die Ablehnung damit, dass die syrische Regierung in der Resolution einseitig verurteilt werde, während Menschenrechtsverletzungen durch Rebellen unerwähnt blieben. Das Dokument enthalte «keine konstruktiven Signale, die zur Lösung der Krise beitragen könnten».