Frankfurt/Main (dpa) - Die deutsche Chemie-Industrie sieht sich am Ende einer seit Mai anhaltenden Schwächephase. Im vierten Quartal des Vorjahres hätten die Folgen der Schuldenkrise in Europa und den USA die Branche immer stärker belastet.

Das berichtete der Verband der Chemischen Industrie (VCI) am Donnerstag in Frankfurt. Nun sei die Talsohle erreicht, erklärte VCI-Hauptgeschäftsführer Utz Tillmann bei der Vorstellung des Jahresberichts 2011. In vielen Betrieben zeichne sich eine Tendenz nach oben ab.

Für das laufende Jahr erwartet der Verband eine Aufholjagd, um schließlich bei der Produktion das Niveau von 2011 knapp wieder zu erreichen. Bei leicht steigenden Erzeugerpreisen werde der Umsatz um ein Prozent zulegen, so dass in der drittgrößten deutschen Industriebranche mit einem erneuten Erlösrekord nach 184,2 Milliarden Euro im Jahr 2011 gerechnet wird. Im vierten Quartal lag die Auslastung der Fabriken mit knapp 82 Prozent noch im normalen Rahmen. Die Unternehmen beschäftigten rund 427 000 Mitarbeiter und damit rund 12 000 mehr als vor einem Jahr.

Die Schuldenkrise in Südeuropa hinterließ deutliche Spuren in der Exportstatistik. Weltweit blieben die Deutschen laut VCI zwar Exportweltmeister, doch die Chemie-Ausfuhr in die Euroländer lag deutliche 4,4 Prozent unter dem Vorjahresquartal. Positiv wertete der Verband die Entwicklung in den USA, wo die Wirtschaft aus ihrer Lethargie erwacht sei. Die Chemienachfrage habe aber zunächst nur leicht von dem Aufschwung profitieren können, weil zunächst die Lagerbestände aufgebraucht würden.

Der VCI verwies auf statistische Basiseffekte, die sich aus dem extrem starken Jahresbeginn 2011 und dem dann kontinuierlichen Abstieg ergeben. Bliebe es bei den Werten aus dem Jahresendquartal, würde die Branche um 3,8 Prozent schrumpfen. Die Produktion müsse kontinuierlich wachsen, um schließlich das Vorjahresniveau zu erreichen. Vor allem zu Jahresbeginn sei daher noch mit negativen Quartalsvergleichen zu rechnen.

Trotz der Flaute seit Mai hat die Chemie 2011 einen Rekordumsatz von 184,2 Milliarden Euro (+7,7 Prozent) verbucht. Die Produktion wuchs um 2,2 Prozent und damit stärker als im langjährigen Trend, der in den vergangenen zehn Jahren bei durchschnittlich 2,0 Prozent lag. Ähnliches erwartet der VCI auch für die kommenden Jahre bis 2020.