Freiburg (SID) - Der Heidelberger Dopingexperte Werner Franke hat am Donnerstag eine Niederlage vor dem Freiburger Landgericht erlitten. Er darf auch künftig nicht behaupten, der ehemalige Olympiaarzt Georg Huber aus Freiburg habe Radrennfahrer gedopt. Zu dem aktuellen Urteil der 2. Zivilkammer führte offenbar ein Versäumnis von Franke, der nun die Kosten für Verfahren und Anwälte tragen muss. Er kann jedoch binnen eines Monats Berufung einlegen.

Nach Informatischen der Badischen Zeitung wies das Landgericht eine Klage des Molekularbiologen gegen einen Vergleich aus dem Jahr 2007 ab. Durch diesen war dem heute 71-Jährigen die Behauptung untersagt worden, der ehemalige Radsportarzt der Freiburger Sportmedizin habe jungen Radrennfahrern in den 1980er-Jahren systematisch leistungssteigernde Medikamente verabreicht. Franke durfte nur noch behaupten, Huber habe "einzelnen U-23-Straßenradfahrern" das Medikament Andriol "zum Ausgleich der Dysbalance" gegeben.

Franke erklärte gegenüber der Badischen Zeitung zudem, dass er die internationale Untersuchungskommission der Albert-Ludwigs-Universität verlassen werde. Er wolle dieser Forschungsgruppe, die sich seit 2007 mit der Doping-Vergangenheit der Freiburger Sportmedizin beschäftigt, nicht länger angehören, so Franke. Ein Grund für diesen Schritt ist möglicherweise der an ihn gerichtete Vorwurf, er habe Kommissionsgeheimnisse verraten.

Ausschlaggebend für die Niederlage vor Gericht war laut Richter Claude Mathonia, dass es Franke versäumt habe, nach den im August 2008 erfolgten Dopinganschuldigungen des früheren Bahnradfahrers Robert Lechner gegenüber Huber den Vergleich binnen einer einjährigen Frist anzufechten. Franke hatte dies erst 2011 getan.

Robert Lechner, Olympiadritter von Seoul 1988, hatte detaillierte Pläne darüber vorgelegt, wie Olympiaarzt Huber ihm 1987 und 1988 eine ganze Palette von Medikamenten zur Leistungssteigerung verabreicht habe - neben dem Testosteron-Präparat Andriol auch das hoch wirksame Anabolikum Stromba und das Nebennierenrinden-Hormonpräparat Urbason.

Daraufhin hatte Franke erklärt, dass er sich aufgrund der neuen Hinweise auf systematisches Doping durch Georg Huber nicht mehr an den im Jahr 2007 getroffenen Vergleich halten könne. Franke sah sich von Huber arglistig getäuscht.