Potsdam (dpa) - Mit harten Fronten haben am Donnerstag die Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst von Bund und Kommunen begonnen.

Zum Auftakt der Gespräche in Potsdam bekräftigten die Gewerkschaften ihre Forderung nach 6,5 Prozent mehr Geld, mindestens aber 200 Euro, für die rund zwei Millionen Beschäftigten von Bund und Kommunen. Die Arbeitgeber halten das für viel zu viel - von einem Angebot ihrerseits wurde aber zunächst nichts bekannt. Die Gespräche dauerten allerdings am Donnerstagnachmittag noch an. Die Gewerkschaft Verdi hat bereits mit Warnstreiks gedroht. Zunächst sind noch zwei weitere Verhandlungstermine im März geplant.

Verdi-Chef Frank Bsirske sagte, es sei jetzt an der Zeit für eine deutliche Reallohnerhöhung. «Was wir brauchen, ist ein Ehrensold für Müllwerker, für Krankenschwestern, für Berufsfeuerwehrleute. Die haben das verdient», sagte er mit Verweis auf den Ehrensold für den zurückgetretenen Bundespräsidenten Christian Wulff.

Bsirske forderte die Arbeitgeber auf, schnell ein verhandlungsfähiges Angebot vorzulegen. «Wir wollen hier keine rhetorischen Schleifen drehen.» Auch der Verhandlungsführer der Tarifunion des Beamtenbundes dbb, Frank Stöhr, sagte: «Wir spielen nicht auf Zeit. Wir wollen zügig verhandeln.»

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) entgegnete, ob es ein Angebot gebe, hänge vom Verlauf der ersten Gespräche ab. «Wenn es bei den jetzigen Forderungen (der Gewerkschaften) bleibt, wird es sehr schwierig.»

Der Verhandlungsführer der kommunalen Arbeitgeber, Thomas Böhle, verwies auf die Rekordverschuldung der Kommunen von 128,7 Milliarden Euro. Er drohte, Leistungen für die Bürger weiter zurückzuschrauben, wenn der Tarifabschluss zu hoch ausfalle. Böhle rechnet mit Warnstreiks. «Wir würden sie gerne vermeiden, aber wir sind ja nicht die, die streiken», sagte er mit Blick auf Verdi.

Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebunds, Gerd Landsberg, sagte, weil Verdi einen Mindestbetrag von 200 Euro fordere, gehe es insgesamt sogar um acht Prozent. «Das würde die Kommunen und ihre Betriebe sechs Milliarden Euro pro Jahr kosten. Das können wir uns schlicht nicht leisten», sagte er der «Passauer Neuen Presse» (Donnerstag).

«Kindergartenbeiträge, Eintritt in Museen oder Leihgebühr in Bibliotheken - alles müsste steigen», sagte Landsberg. Allein über Gebührenerhöhungen lasse sich dann aber der Finanzbedarf nicht decken. «Der Druck, Personal abzubauen, würde zunehmen.»

Bei der vergangenen Tarifrunde 2010 hatte es erst nach Warnstreiks und einem Schlichterspruch einen Kompromiss gegeben. Neben der Chemie- und der Metallindustrie gilt der öffentliche Dienst als Schwergewicht der diesjährigen Tarifrunde. Verhandelt wird für Angestellte von Bund und Kommunen. Die Gewerkschaften fordern aber, das Tarifergebnis dann auch auf die Beamten, Soldaten und Richter des Bundes zu übertragen.

Verdi zur Tarifrunde

VKA zur Tarifrunde

Tarifarchiv der Hans-Böckler-Stiftung

Beamtenbund zur Tarifrunde 2012

Bundesinnenministerium zum öffentlichen Dienst