Dortmund (dpa) - Die Gesänge auf der Südtribüne waren ähnlich laut und leidenschaftlich wie bei der Titelfeier im vorigen Mai. Begleitet vom Fan-Refrain «Und schon wieder deutscher Meister BVB» tanzten Dortmunds Profis ausgelassen auf dem Rasen und feierten den achten Sieg in Serie - Vereinsrekord.

Nicht nur das hart erkämpfte 2:1 (1:0) über den FSV Mainz 05, sondern auch die Patzer der Konkurrenz aus München und Gelsenkirchen bescherten der Borussia einen perfekten Spieltag. «Wir freuen uns sehr über dieses Wochenende. Die Niederlage der Bayern war ein Riesenansporn», kommentierte Torhüter Roman Weidenfeller mit breitem Lächeln.

Drei Stunden nach dem 0:2 des Herbstmeisters in Leverkusen nutzte der BVB die Schwäche des vermeintlich ärgsten Verfolgers. Damit beträgt der Vorsprung auf die Münchner nun komfortable sieben Punkte. Alle Hoffnungen der Konkurrenten auf einen Einbruch der Borussia erwiesen sich erneut als Wunschdenken. Zwar geriet der BVB nach dem Ausgleichstreffer seines ehemaligen Profis Mohamed Zidan (74.) ins Wanken, kam aber nicht zu Fall. Nur drei Minuten später sorgte Shinji Kagawa für den Sieg. Die Erfolgsserie mit 18 Spielen ohne Niederlage weckte bei Nationalspieler Mats Hummels Erinnerungen an die vorige Bilderbuch-Saison: «Wir sind jetzt wieder so gut wie im Meisterjahr.»

Erneut scheint der Revierclub auf gutem Weg zur Bundesliga-Alleinherrschaft. Das Punkte-Konto weist lediglich drei Zähler weniger auf als nach dem 24. Spieltag der vorigen Saison. Und ähnlich wie damals stürmen die Borussen zwar von Sieg zu Sieg, bevorzugen aber jenseits des Rasens das Understatement. Manndecker Hummels entpuppte sich auch in verbaler Hinsicht als Meister der Defensive. Zwar befürchtet er für die kommenden Wochen keinen Einbruch seines Teams, wollte aber nicht von einer Vorentscheidung im Titelkampf sprechen: «Der FC Bayern ist für alle weiter der Top-Favorit.»

Ähnlich wie die Profis mied auch Hans-Joachim Watzke das M-Wort. «Jetzt fangen wieder alle an, uns zum Titel zu gratulieren, aber wir dürfen uns das nicht einreden lassen», sagte der BVB-Geschäftsführer. «Die Bayern hatten in der Hinserie auch schon acht Punkte Vorsprung auf uns. Das zeigt, wie schnell man das verspielen kann.»

Dennoch sprechen vor allem zwei Dinge für eine weitere Meisterparty: Der aktuelle Tabellenstand und die Mentalität der Mannschaft. Mit unbändigem Willen und bemerkenswerter Raffinesse zwingt sie derzeit jeden Gegner in die Knie. Allerdings steht das direkte Kräftemessen mit den weiteren Spitzenteams aus München, Schalke und Mönchengladbach noch aus. Diese drei möglicherweise vorentscheidenden Partien bestreitet der BVB binnen eineinhalb Wochen im April. Mit Blick auf diesen Showdown verzichtete Trainer Jürgen Klopp auf forsche Sprüche zum Meisterkampf: «Wir haben nicht das Gefühl, schon halb im Ziel zu sein. Wir bringen uns nur in Position für ein spannendes Finish.»

Angesichts der anhaltenden Dortmunder Erfolgsstory war der Treffer von Zidan zum zwischenzeitlichen 1:1 nur eine Randnotiz. Immerhin traf der erst Ende Januar vom BVB nach Mainz gewechselte Angreifer zum fünften Mal in Serie. Auf ausgelassenen Jubel verzichtete der Ägypter aus Respekt vor seinem ehemaligen Club, den er nach eigener Aussage «für immer im Herzen tragen wird». Anders als seine einstigen Mitstreiter wagte Zidan jedoch eine Prognose: «Wir haben heute zu hundert Prozent den deutschen Meister gesehen..»