Surrey (dpa) - Nach jahrelangen Diskussionen haben die Regelhüter des Weltfußballs die Einführung der umstrittenen Torlinien-Technologie angekündigt.

«Wir gehen fest davon aus, dass wir den Einsatz dieser Systeme am 2. Juli in Kiew in die Regeln aufnehmen», sagte der Generalsekretär des englischen Fußballverbandes FA, Alex Horne, in Surrey bei London. FIFA-Generalsekretär Jérôme Valcke deutete nach der 126. Jahresversammlung des International Football Association Board (IFAB) an, dass das System schon bei der Club-WM in Japan im Dezember und beim Confederations Cup 2013 in Brasilien zum Einsatz kommen könnte.

DFB-Schiedsrichterchef Herbert Fandel begrüßte den Vorstoß. Der neue Präsident des Deutschen Fußball-Bundes, Wolfgang Niersbach, sprach sich in einem am Sonntag erschienenen Zeitungsinterview auch für die Torlinien-Technologie aus. FIFA-Präsident Joseph Blatter, in Südengland in der Runde mit dabei, hatte das Thema zuletzt gepusht.

«Das System muss absolut genau sein, ansonsten ist es wertlos. Aber wir sind sehr zuversichtlich, dass sich die Technik als zuverlässig erweist», sagte Horne. In einer ersten Testrunde hatte das Schweizer Prüfinstitut EMPA acht Systeme mit Hunderten von Schüssen auf Tore getestet und zwei davon ausgewählt für die abschließende Runde zwei zwischen März und Juni: Das HawkEye arbeitet mit Kameras und optischer Erkennung der Spielsituation, das deutsch-dänische GoalRef nutzt ein magnetisches Feld und einen besonderen Ball.

Die Rückmeldung soll binnen einer Sekunde erfolgen. Zudem soll sie - etwa via Vibration - ein «privater Moment» für den Referee sein, wie die Regelhüter betonten. Im Unterschied zum Beispiel zum Hawk-Eye beim Tennis sei es nicht für das Publikum bestimmt. «Es würde zu einer gefährlichen Situation führen, wenn es im Stadion gezeigt würde», warnte der Chef des walisischen Verbandes Jonathan Ford.

Für Fandel ist dies «genau die richtige Vorgehensweise. Es muss sehr schnell und sehr unauffällig über die Bühne gehen». Er sprach sich gegen die von UEFA-Präsident Michel Platini bevorzugte Lösung mit den sogenannten Torrichtern aus. «Bei dieser Dynamik im heutigen Fußball können wir noch so viele Torrichter einsetzen. Lasst uns die Fehlerquelle nicht von einem Menschen auf einen anderen verschieben. Wir brauchen 100-prozentige Sicherheit», sagte der Vorsitzende der DFB-Schiedsrichterkommission am Sonntag der Nachrichtenagentur dpa.

Die Kosten für die Installierung eines Systems, die die Clubs und nicht die TV-Sender zu tragen hätten, konnten die Funktionäre noch nicht beziffern. Niersbach gab in der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung» zu bedenken, man müsse sich fragen, «in welchen Spielklassen diese zum Einsatz kommt. Wäre sie nur ein Privileg für die oberen beiden Ligen?» Er sprach sich gegen den Videobeweis als weiteres technisches Hilfsmittel aus: «Der würde nur die Streitereien an den Spielfeldrand verlagern und das Spiel unnütz verzögern.»

Noch zu keinem Ergebnis kam man beim Thema «Dreifach-Bestrafung». Ein Spieler, der eine Torgelegenheit im Strafraum vereitelt, wird bisher mit Elfmeter, Platzverweis und Sperre bestraft.