Düsseldorf (dpa) - Perfektes Wochenende für den BVB, schwarzer Samstag für den FC Bayern - dem Rekordmeister droht im Titelkampf erstmals seit 16 Jahren erneut das Nachsehen. Bereits am 24. Spieltag hissten die Münchner die weiße Fahne.

«Nach dem heutigen Tag müssen wir sicherlich nicht mehr von der Meisterschaft reden», bekannte Sportdirektor Christian Nerlinger im Anschluss an das deprimierende 0:2 in Leverkusen. Und auch das Statement von Trainer Jupp Heynckes klang nach früher Kapitulation: «Man muss realistisch sein. Sieben Punkte sind eine Menge Holz.»

An alter Wirkungsstätte erlebte der Fußball-Lehrer eine der bittersten Momente seit seiner Rückkehr im Sommer zum FC Bayern. Wieder einmal erwiesen sich alle guten Vorsätze seiner Profis als leeres Versprechen. Auch im vierten Auswärtsspiel der Rückserie gab es keinen Sieg. «Natürlich kommt jetzt die Kritik, und wir sind unter Druck», sagte Nerlinger. Der lautstarke Disput der Profis Jerome Boateng und Thomas Müller in der ersten Halbzeit rundete das Bild von fehlendem Teamgeist ab.

Zwei Spielzeiten ohne Schale gab es für die Bayern zuletzt 1995 und 1996 - in beiden Jahren kam der Meister aus Dortmund. Gut möglich, dass sich Geschichte in diesem Mai wiederholt. Mit dem 2:1 über Mainz baute der Revierclub seinen Vorsprung in der Tabelle weiter aus. Acht Bundesliga-Siege in Serie waren dem BVB in der ruhmreichen Vereinshistorie bisher nie gelungen. Überschwänglich feierten die Fans nicht nur die Patzer der Konkurrenz aus München und Gelsenkirchen, sondern auch die Vorstellung ihres Teams. «Wir freuen uns sehr über dieses Wochenende. Die Niederlage der Bayern war ein Riesenansporn», kommentierte Torhüter Roman Weidenfeller.

Bei elf Punkten Rückstand auf Dortmund hat sich der FC Schalke aus dem Titelrennen verabschiedet. Ohne den verletzten Torjäger Klaas-Jan Huntelaar und den von Trainer Huub Stevens aus dem Kader geworfenen Jefferson Farfan unterlag der Revierclub mit 1:2 beim SC Freiburg. Selbst der bereits sicher geglaubte Platz in der Champions League gerät in Gefahr. Der Abstand zum Fünften aus Leverkusen beträgt nur noch vier Punkte. Manager Horst Heldt hofft weiter auf ein Happy End: «Wir haben nach wie vor die Chance, Dritter zu werden, und das sollten wir jetzt nicht über Bord werfen.»

Anders als an der Spitze haben sich die Abstände am Tabellenende verkürzt. Alle vier Teams auf den Plätzen 15 bis 18 punkteten. Davon profitierten vor allem die Berliner. Beim Heimdebüt von Trainer Otto Rehhagel beendete die wankende Hertha die lange Durststrecke mit zwölf Spielen ohne Sieg. Das 1:0 über Bremen verhalf zum Sprung auf Rang 15. «Wir sind alle unheimlich erleichtert - im Moment», sagte «König» Otto nach dem Sieg über seine alte Liebe Werder.

Auch in Freiburg und Augsburg ist die Hoffnung auf den Klassenverbleib zurück. Die Breisgauer gaben nach dem Erfolg über Schalke immerhin den letzten Tabellenplatz ab. Und auch der Aufsteiger aus Augsburg stellte beim 2:2 in Hannover erneut aufsteigende Form unter Beweis. Dagegen setzte Kaiserslautern mit dem 0:0 gegen Wolfsburg die Talfahrt fort. Trotz des 14. Spiels in Serie ohne Sieg sprach sich der Vorstandsvorsitzende Stefan Kuntz für einen Verbleib des in die Kritik geratenen Marco Kurz aus: «Der Trainer bleibt.»

Für die negative Schlagzeile des 24. Spieltags sorgte Paolo Guerrero. Beim 0:4 gegen Stuttgart ließ der Angreifer des Hamburger SV seinem Frust freien Lauf. Nach dem brutalen Tritt in die Wade von VfB-Torhüter Sven Ulreich droht eine lange Sperre. Schon der Wasserflaschenwurf gegen einen Fan im April 2010 hatte dem Peruaner viel Ärger eingebracht. «Paolo schadet uns natürlich», kommentierte der verärgerte Trainer Thorsten Fink.